Kaum war ich in meinem Urlaub im Medoc angekommen, schleppten mich meine unternehmungslustigen Eltern auch schon zu einem „Fest mit künstlerischen Einlagen“,
so ganz genau wüssten sie selbst nicht, was uns dort erwarte, aber es werde sicher „total schön“ und wir müssten etwas für das Buffet mitbringen, weil man das
hier so mache. Also gut!
Nachdem wir die letzten Behausungen weit hinter uns gelassen hatten und seit einiger Zeit nur noch Wald (und sogar ein Reh) gesehen hatten, tauchten plötzlich
eine Menge parkender Autos vor uns auf, wir waren in der Bergerie angekommen und wurden von einer aufgeregt und fröhlich schwatzenden Gastgeberin in Empfang
genommen. (Hatte ich schon gesagt, dass ich nicht so gut französisch spreche und schon gar nicht, wenn es um die passenden Antworten auf begeisterte französische
Fragen und Kommentare geht?).
ELVIRE BOYé mit RETOUR DU PRINTEMPS (Fortbildung bei Jean Bernard Laclotte, 4 workshops)
Der Schauplatz des Geschehens war jedenfalls sehr beeindruckend. Vor dem langgestreckten Häuschen, der „Bergerie“, tat sich so etwas wie ein kleiner Dorfplatz auf,
ein riesiger, ausladender Baum in der Mitte, um den herum sich alles abspielte, linker Hand das Buffet, rechter Hand eine Bühne, deren natürliche Kulisse zwei
Zypressen bildeten, die Klappstühle wurden wie das Essen vom Publikum selbst mitgebracht.
Das Abend füllende Programm bestand aus einem Theaterstück (dessen groben Handlungsrahmen ich allerdings nur aus den schauspielerischen Talenten der KünstlerInnen
erahnen konnte, nicht etwa, weil ich etwas verstanden hätte), einer sehr faszinierenden jungen Mimin (was für ein Glück für mich), einer Tangotänzerin, einer
Märchenerzählerin und verschiedenen kleineren Darbietungen, u. a. konnten wir selbst eine Trommeleinlage zum Besten geben.
Die Darbietungen reichten von „professionell“ bis „ganz nett“, das eigentlich Beeindruckende an dem Abend war für mich das Ambiente: Auf einem kleinen malerischen
Dorfplatz mitten im Wald treffen sich lauter kulturinteressierte nette Menschen, essen und trinken Wein miteinander, erzählen sich etwas und machen sich gemeinsam
einen schönen Abend einfach dadurch, dass jede/r etwas mitbringt oder einbringt, was Anderen gefallen könnte.