Biarritz - auf in den Süden
Unsere bisherigen Erfahrungen mit der südfranzösischen Atlantikküste (Hossegor): große Steinhäuser in gepflegten
Gärten, ein sehr breiter, feinsandiger Strand, klares, grünblaues Wasser, eine hohe Brandung und viele Surfer,
die in Rudeln im Wasser hängen und auf die richtige Welle warten. Dies im Sinn brachen wir nach Süden auf.
Diesmal wollten wir Biarritz erkunden. Wir hatten uns ein phantastisches Bild gemacht von dieser Stadt, aber wir
hatten nach langer Zeit in ruhiger Provinz vergessen, wie sich Stadt anfühlt. Wir rollten an fünfstöckigen
Beton- und Steinbauten, Hotelkästen und Restaurantbetrieben, Andenkenläden und Luxusboutiquen vorüber und
hatten das Gefühl, alles ganz schnell hinter uns bringen zu müssen. Eine Landstraße, die manchmal Ausblicke
aufs Meer bot, führte durch einige Dörfer und schließlich nach St. Jean de Luz.
Wir fanden auf der Höhe eine
Unterkunft mit Blick auf eine Felsenbucht und sahen in der Ferne das weiße Biarritz über dem Meer. Über den
Küstenwanderweg konnten wir bequem in 10 Minuten an die große Badebucht laufen. Die baskische Küche mit
Bayonner Schinken, Risotto mit Pulpentinte, Schafskäse fanden wir ausgezeichnet. Wir erfuhren, dass Ludwig
XIV hier im Jahre 1660 die spanische Infantin Maria-Theresia von Navarra geheiratet hat. Die Patrizierhäuser
in der Nähe des Hafens stehen noch heute. Nach 3 Tagen in dem gemütlichen, behäbigen Städtchen (das wegen
seiner geschützten Badebucht, seines warmen Klimas, seiner idyllischen Lage, seines zweitältesten französischen
Golfclubs besonders von Engländern sehr geschätzt wird) brachen wir zu einem Ausflug nach Bilbao ins
Guggenheim-Museum auf.
In Bilbao bestaunten wir ein breit am Fluss gelagertes, glänzendes, schuppiges Gebäude, das einem Fisch
ähnlich sieht. Einem Audio-Guide lauschend durchwanderten wir das weitläufige, dreistöckige Museum für
moderne Kunst. Im riesigen Gebäudeschwanz stehen haushohe Serra-Skulpturen aus armdicken Metallwänden.
Drei Räume im obersten Stock sind mit Bildern der klassischen Moderne bestückt. Ein großes Atelier enthält
bröckelnde Lehmskulpturen, die erschütternde Szenen menschlichen Elends aus der Hungerzeit in China nachstellen.
Nach stundenlanger Besichtigung strebten wir hinaus in die Stadt, warfen einen kurzen Blick auf Fluss, Altstadt
und Drahtseilbahn und stärkten uns mit fischigen Tapas und Bier in einer Eckkneipe. Alles in allem eine
empfehlenswerte kleine Reise.
Maria Moeller-Herrmann (Grayan)