Prof. Dr. Christian Büttner

Seminare zu "Psychoanalytischer Pädagogik"



Zu den Seminarzielen dieses Lehrangebotes gehörte vorrangig die Vermittlung dessen, was Psychoanalytische Pädagogik im Kontext von Psychoanalyse sein sollte:

Im Prinzip lassen sich zwei Grundperspektiven Psychoanalytischer Pädagogik unterscheiden:

1. Grundlage eines pädagogischen Verständnisses von und in Lernbeziehungen ist die Psychoanalyse als Sozialwissenschaft; im unmittelbaren Kontakt spielt die Haltung der päd. Fachkräfte die entscheidende Rolle. Sie ist gekennzeichnet durch eine Balance zwischen Förderung und Forderung und bietet in dem pädagogischen Setting (gemäß dem Auftrag) die Möglichkeit zur Regression. Methode psychoanalytischer Reflexion ist das "szenische Verstehen", d.h. pädagogische Fallschilderungen werden im Hinblick auf ihre latente Bedeutung reflektiert.

Literatur:

Trescher, H.-G.: Handlungstheoretische Aspekte der Psychoanalytischen Pädagogik, in : Muck, M./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Grundlagen der Psychoanalytischen Pädagogik, Mainz 1993

Trescher, H.-G./Finger-Trescher, U.: Setting und Holding-Function. Über den Zusammenhang von äußerer Strukturbildung und innerer Struktur, in: Finger-Trescher, U./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Aggression und Wachstum, Mainz 1992


2. Psychoanalytische Reflexion ist pädagogisches Hilfsmittel dort, wo mit dem "pädagogischen Handwerkszeug" kein Erfolg zu erzielen ist oder wo sich Dinge ereignen, die rational nicht aufklärbar sind, aber dysfunktionalen Ärger erzeugen. Die psychoanalytische Reflexion etwa in einer Supervision kann dazu beitragen, die Zusammenhänge aufzuklären, die zum Scheitern des pädagogischen Planes geführt haben. Sie entwickelt selbst keine neuen Handlungsoptionen, kann aber dazu beitragen, dass solche in neuen pädagogische Überlegungen eingehen.

Literatur:

Ernst Federn: Geschichtliche Bemerkungen zum Thema Psychoanalyse und Sozialarbeit, in: Büttner/Finger-Trescher/Scherpner: Psychoanalyse und soziale Arbeit, Mainz 1991

Jürgen Körner/Christian Ludwig-Körner: Psychoanalytische Sozialpädagogik, Freiburg 1997


Beide Zugangsweisen gehen auf die Grundkonzepte der Psychoanalyse als Sozialwissenschaft sowie auf die Psychologien der Psychoanalyse zurück und entfalten sie für ihre jeweilige Anwendung. In beiden Fällen geht es um die pädagogische Handlungsfähigkeit, also um die adäquate Gestaltung von pädagogischen Settings und Beziehungsprozessen, nicht um deren Interpretation und Deutung allein (Abgrenzung von Pädagogik und Therapie).

Dies auch im Detail zu vermitteln, war mir ein großes Anliegen. Mir kam dabei zu Hilfe, dass verschiedene Kolleginnen an der EFH ebenfalls psychoanalytisch orientierte Lehrveranstaltungen anboten. Zwei Aspekte habe ich in allen Lehrveranstaltungen zum Thema Psychoanalytische Pädagogik immer wieder in den Mittelpunkt gestellt:

- In der Psychoanalytischen Pädagogik geht es um Pädagogik, nicht um Therapie. Und:

- Zum professionellen Handeln gehören - einerlei welcher Richtung man sich verpflichtet fühlt - Selbsterfahrung und Supervision. Diese Zugänge können nur berufsbegleitend in Anspruch genommen werden.
(Hans-Georg Trescher hat dazu einen sehr interessanten Aufsatz verfasst, indem er seine Erfahrungen mit der Vermittlung Psychoanalytischer Pädagogik an der EFH und das Dilemma der Abhängigkeitsbeziehung Studierender/Professor beschreibt, das eine Selbsterfahrung nur höchst eingeschränkt erlaubt.)

Die folgenden Systematisierungen habe ich verwendet, um den Studierenden das Konzept Psychoanalyse als Sozialwissenschaft nahe zu bringen und ihnen eine Orientierung zu geben, wie sich die Psychoanalytische Pädagogik darin verortet:

Anwendungen der Psychoanalytischen Pädagogik Anwendungen der Psychoanalytischen Pädagogik


Literatur:

Aigner, J. C.: Sozialarbeit und Psychoanalyse, Wien 1985

Bernfeld, S.: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung, Frankfurt 1970

Bittner, G./Ertle, Ch. (Hrsg.): Pädagogik und Psychoanalyse, Würzburg 1985

Büttner, C./ Schuchardt, C.: Institutionsanalytische Annäherungsversuche an so-zialpsychiatrischen Arbeitsbedingungen, in: Büttner, C./Finger-Trescher, U./Scherpner, M. (Hrsg.): Psychoanalyse und Soziale Arbeit, Mai 1990, S. 120-143

Büttner, C./Finger-Trescher, U./Scherpner, M. (Hrsg.): Psychoanalyse und soziale Arbeit, Mainz 1990

Datler, W./Bogyi, G.: Zwischen Heim und Familie, in: Büttner, C./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Jahrbuch der Psychoanalytischen Pädagogik, Band 1, Mainz 1993Fatke, R./Scarbath, H. (Hrsg.): Pioniere Psychoanalytischer Pädagogik, Frankfurt 1995

Ettl, Thomas: Zur Bedeutung des Kindergartens im Sozialisationsprozeß, in: Büttner, C./Ende, A. (Hrsg.): Gefördert und mißhandelt, ahrbuch der Kindheit 4, Weinheim 1987, S. 89-111

Finger-Trescher, U.: Psychoanalytisch-pädagogische Strukturmerkmale von Erziehungsberatung in der Institution, in: Datler, W./Figdor, H./Gstach, J. (Hrsg.): Die Wiederentdeckung der Freude am Kind. Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung heute, Gießen 1999, S. 178-195

Freud, A.: Psychoanalyse für Pädagogen, Bern 1971

Füchtner, H.: Einführung in die Psychoanalytische Pädagogik, Frankfurt 1979

Hofmann, C.: Gruppenanalytisch orientierte Arbeit mit geistig behinderten Männern und Frauen, in: Büttner, C./Datler, W./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Jahrbuch der Psychoanalytischen Pädagogik, Band 5, Mainz 1993

Körner, J./Ludwig-Körner, C.: Psychoanalytische Sozialpädagogik, Freiburg 1997

Leber, Aloys/Trescher, Hans-Georg/Weiss-Zimmer, Elise: Krisen im Kindergarten. Psychoanalytische Beratung in pädagogischen Institutionen Frankfurt (Fischer) 1990

Muck, M./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Grundlagen der Psychoanalytischen Pädagogik, Mainz 1993

Müller, B.: Außenansicht - Innenansicht. Beiträge zu einer analytisch orientierten Sozialpädagogik, Freiburg 1995

Pine, F.: Die vier Psychologien der Psychoanalyse und ihre Bedeutung für die Praxis, in: Forum Psychoanalyse 3/1990, S. 232-249

Reiser, H./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Wer braucht Erziehung? Mainz 1987

Salzberger-Wittenberg, I.: Die Psychoanalyse in der sozialen Arbeit (Wege zum Verständnis des Klienten), Stuttgart 1973

Schnack, D./Neutzling, R.: Die Prinzenrolle. Über die männliche Sexualität, Reinbek (rororo) 1993

Trescher, H.-G./Finger-Trescher, U.: Setting und Holding-Function. Über den Zusammenhang von äußerer Strukturbildung und innerer Struktur, i n: Finger-Trescher, U./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Aggression und Wachstum, Mainz 1992

Trescher, H.-G.: Handlungstheoretische Aspekte der Psychoanalytischen Pädagogik, in : Muck, M./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Grundlagen der Psychoanalytischen Pädagogik, Mainz 1993

Trescher, H.-G.: Theorie und Praxis der Psychoanalytischen Pädagogik, Mainz 1990

Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit e.V. (Hrsg.): Afrika ist um die Ecke. Psychoanalytische Sozialarbeit in der "Gesprengten Institution" Hagenwört, Tübingen (Diskord) 2000

Wegeler, C.: "Hochzeit auf marokkanisch". Sozialpädagogische Arbeit mit einer türkisch-marokkanischen Mädchengruppe, in: Büttner, C. u.a. (Hrsg.): Brücken und Zäune. Interkulturelle Pädagogik zwischen Fremdem und Eigenem, Gießen 1998, S. 151-174