Projekt "Massenmedien und Krieg in Demokratien und ihre Bedeutung für die politische Bildung Jugendlicher"
(Christian Büttner/Magdalena Kladzinski)
Bildschirmmedien sind in den heutigen Demokratien zu Instrumenten
der politischen Wirklichkeitskonstruktion geworden und spielen
eine wichtige Rolle für die Sozialisation
von Kindern und Jugendlichen, für das Alltagswissen der Bürger und für die
Entscheidungsfindung in Politik und Gesellschaft. Für die politische Bildung
in Demokratien ist deshalb von Bedeutung, wie sich in diesem
Zusammenhang das Hineinwachsen von Jugendlichen in ein sachgerechtes
und demokratisches Handeln gestaltet und wie ihre Entscheidungsfindung
dadurch beeinflusst wird.
Mediale Darstellung von Politik und Krieg in Nachrichten, Kriegsfilmen
und Computerspielen für ein Massenpublikum erfolgen mehr nach den dramaturgischen
Regeln der jeweiligen Präsentationsform als nach Regeln einer realitätsgetreuen
Vermittlung. Da Massenmedien mit Selektionskriterien arbeiten
und dadurch die Komplexität der Verhältnisse reduzieren,
werden auch die politisch-militärischen Prozesse verstellt und höchst unvollkommen,
ja manchmal geradezu fragwürdig abgebildet. Fiktionale Sendungen (z.B. Kriegsfilme)
und Computerspiele dagegen können Ansichten über Politik unterstützen, wie
sie als eine Art Laienwissen über die Verhältnisse von Militär, politischer
Macht und Volk in unterschiedlicher Weise bei verschiedenen
demokratischen Interessengruppen vorherrschen.
In Form eines e-learning Zugangs und in der didaktischen Aufbereitung dessen, was über den Zusammenhang von Bildschirmmedien,
Krieg und Demokratie auf wissenschaftlicher
Grundlage heute diskutiert wird, wurden in dem Projekt Vorschläge zur politischen Bildung Jugendlicher realisiert. Diese wurden in Form einer DVD für den politischen
Unterricht an Schulen und für die offene Jugendarbeit konzipiert.
Kooperationspartner der HSFK waren:
- ProSiebenSAT.1
- Bundeszentrale für politische Bildung
- Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen
- Medienanstalt Berlin-Brandenburg
Dieses Projekt hatte eine extrem lange Vorlaufzeit, weil es
darum ging, äußerst unterschiedliche Kooperationspartner zusammenzubringen.
Als das Projekt insgesamt zu scheitern drohte, entschloss ich
mich, die bis dahin geleisteten Vorarbeiten (wissenschaftliche
Expertise von Magdalena Kladzinski) in einem Sammelband mit weiteren
Texten zu veröffentlichen, die dem Ziel des gesamten Vorhabens entsprachen. So entstand
das mit Joachim von Gottberg und Magdalena Kladzinski gemeinsam
herausgegebene Buch
Krieg
in Bildschirmmedien.
Das Projekt ist abgeschlossen, die DVD konnte Dank des Engagements der Freiwillgen Selbstkontrolle Fernsehen fertig gestellt werden:
DVD-ROM „KRIEG IN DEN MEDIEN“
- Ein multimediales Lernangebot für Schule und Jugendarbeit
Unsere Vorstellung vom Krieg basiert weitgehend auf Informationen aus den Medien. Weder bei Fiktion noch bei
der Berichterstattung ist hierbei immer erkennbar, welche Absichten hinter den Bildern stecken, ob seriös
recherchiert oder mittels Propaganda manipuliert wurde.
Mit der DVD-ROM „Krieg in den Medien“ soll der Blick auf reale Kriege und deren mediale
Inszenierung geschärft werden. Es geht sowohl um die Vermittlung von Wissen als auch um die Förderung von
Medienkompetenz. Die DVD hilft Lehrerinnen und Lehrern in der Sekundarstufe I und II, Ursachen und Folgen
von Krieg deutlich zu machen und bietet Angebote, um die komplexe Interaktion von Wirklichkeit und Medien zu
verstehen. Dabei werden die interaktiven Lernmöglichkeiten der DVD-Technik genutzt.
Die DVD setzt sich mit der Darstellung des Krieges in Nachrichten, Filmen und Computerspielen auseinander.
Neben ca. 250 Beispielen beinhaltet „Krieg in den Medien“ eigens für die DVD geführte Experteninterviews.
Befragt wurden u. a. der Politikwissenschaftler Prof. Herfried Münkler, die Journalistin Bettina Gaus und die
Kriegsreporterin Antonia Rados. Darüber hinaus ermöglichen unterrichtsrelevante Aufgaben eine aktive und
motivierte Auseinandersetzung mit dem Thema.
Bei der Erstellung der DVD haben mehrere Institutionen zusammengearbeitet: Die Bundeszentrale für politische
Bildung übernahm die fachliche Betreuung, die Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)
lieferte das wissenschaftliche Ausgangsmaterial, ein Team der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF)
konzipierte die DVD und stellte das Material zusammen, das Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft
(IBI) übernahm die didaktische Beratung und die Konzeption des Lehrerbegleitheftes.
Zu beziehen ist die DVD-ROM „Krieg in den Medien“ bei der Bundeszentrale für politische Bildung in den
Medienzentren in Bonn (Adenauerallee 86, 53113 Bonn) und Berlin (Anhalter Straße 20, 10963 Berlin) und unter
www.bpb.de/publikationen.
Am 20. Juni vergab die
Gesellschaft für Pädagogik und Information (GPI)
in Berlin die Comenius-EduMedia-Auszeichungen, die deutschland- und
europaweit bedeutendsten Auszeichnungen für didaktische
Multimediaprodukte. Eingereicht wurden in diesem Jahr 190 Bildungsmedien
(CD-ROMs, DVDs, Internetportale) aus ganz Europa.
Die DVD "Krieg in den Medien" erhielt im Rahmen dieser Veranstaltung
nicht nur das Comenius-EduMedia-Siegel, das den Produzenten "besondere
didaktische und mediale Qualität" bescheinigt, sondern wurde darüber
hinaus mit einer Comenius-EduMedia-Medaille für "herausragende
exemplarische Multimediaprodukte" ausgezeichnet. Die Laudatio wurde von Frau Dr. Ute Szudra (GPI) gehalten.
Von der Europäischen Gesellschaft für Bildung und Kommunikation (ESEC) wurde für die DVD der Erasmus EuroMedia Spezial Award in der
Kategorie "Discourse and Politics" verliehen. Die feierliche Zeremonie fand am 10. Oktober 2008 im Wiener Rathaus statt.