Fragen zu Gewalt und Erziehung spielten zu Beginn meiner Tätigkeit an der
HSFK zwangsläufig eine zentrale Rolle. Mein Interesse als Pädagoge und meine
psychoanalytische Orientierung führten einerseits dazu, mich um Motive bei "Tätern" zu
kümmern, andererseits nach Themen zu suchen, die positiv gewertetes
Verhalten verstärkten und an den Ressourcen der Menschen anknüpfen konnten.
Der Zusammenhang von Gewalt, Erziehung und Terrorismus lag insofern
auf der Hand, als die Adressaten von Erziehung sich selbst - auch wenn sie
als Täter
enden - a priori als Opfer begreifen. Besonders beeinflusst bei
dieser Betrachtungsweise haben mich Texte von Aloys Leber (Terror, Teufel
und primäre Erfahrung),
Katharina Rutschky (Schwarze Pädagogik), Lloyd deMause (Hört ihr
die Kinder weinen?), Jürg Jegge (Dummheit ist lernbar) und Alice Miller (Am
Anfang war Erziehung).
Mein späteres Interesse am Thema Gruppe führte mich im Zusammenhang mit den Entwicklungen eines globalen Terrorismus zu Erkenntnissen über den Zusammenhang
von Pubertät, Gruppe und Terrorismus:
Mit Gewalt ins Paradies - Einige psychologische Anmerkungen zu Terror und Terrorismus, in: Politische Studien,
53. Jg., H. 386 2002, S. 21-41
mit Thomas Auchter, Ulrich Schulz-Venrath und Hans-Jürgen Wirth (Hrsg):
Der 11. September. Psychoanalytische,
psychosoziale und psychohistorische Analysen von Terror und Trauma, Gießen 2003
9/11. - Dieses Datum markiert einen tiefen Einschnitt im Welt- und Selbstverständnis Amerikas und lässt auch die übrige Welt nicht
unberührt. Seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington steht fest, dass die
Bedrohung durch den Terrorismus in der globalisierten Welt eine nie gekannte Dimension erreicht hat und die Angst vor neuen
Terroranschlägen wächst. Welche psychologischen, ökonomischen, religiösen, kulturellen und politischen Ursachen hat dieser
Terrorismus? Wie funktioniert die Psyche von Selbstmordattentätern? Wie gehen die Angehörigen der Opfer mit dem erlittenen
Trauma um? Welche Antworten findet Amerika auf die kollektive Demütigung? Welche psychologischen Auswirkungen haben die
Terroranschläge global gesehen? Solchen Fragen gehen Autorinnen und Autoren aus Amerika, Israel und Deutschland in diesem
Band nach. Sie stellen Überlegungen zur psychischen Struktur der Selbstmord-Attentäter an und arbeiten Gemeinsamkeiten und
Unterschiede zwischen den Selbstmord-Attentätern vom 11. 9. und den palästinensischen Selbstmord-Attentätern heraus.
Gewalt, in: Fachlexikon der sozialen Arbeit, 5. Auflage 2002, S. 415ff.
Weitere Veröffentlichungen zum Thema:
Jugend und Gewalt. Über den Sinn von Grenzen und Strafen im Erziehungsprozess, in: Deutsche Jugend. Zeitschrift
für die Jugendarbeit 5/01, S. 203-211
Aggression im Erziehungsprozeß, in: Hirschberg 5/1997, S. 303-309
Die Rache der Gequälten, in: Unsere Jugend 2/1987, S. 57-64
mit Ute Volmerg: Bereitschaftspolizisten - Unsicherheit macht hart, in: Psychologie heute 1/1986, S. 38-47;
auch in: Polizei-Spiegel 5/1986, S. 128-131
Die Angst der Kinder vor ihren Beschützern oder Skepsis gegen Friedenserziehung als Programm, in: Reiner Steinweg (Red.), Vom Krieg der
Erwachsenen gegen die Kinder. Möglichkeiten der Friedenserziehung, Friedensanalysen 19, Frankfurt/M. 1984, S. 26-64