Die Friedensbewegung der siebziger und achtziger Jahre des
vorigen Jahrhunderts prägte den Begriff Friedenserziehung. Geboren aus dem
Engagement gegen den kalten Krieg, Militarismus und Rechtsextremismus
standen vor allem die Ziele der Entmilitarisierung und der
Gewaltfreiheit vor Augen. Der Weg dorthin blieb unklar oder
- wie am Beispiel damaliger Aktionen gegen Kriegsspiel zu
sehen - war er kaum von pädagogischer
oder psychologischer Professionalität gekennzeichnet: Kriegsspielzeug wurde
in öffentlichen Happenings zerstört, in den pädagogischen Einrichtungen
wurde es schlicht verboten.
Entscheidende Impulse für das Thema erhielt ich u.a. durch die Lektüre
von Anna Freuds und Dorothy Burlinghams Buch Kriegskinder und
die Beschäftigung mit Chaim F. Shatans
Trauernde Seele des Soldaten. Shatan ist Psychiater
und hat Vietnam-Veteranen betreut. Ich konnte ihn 19983 zu
einem Vortrag an die HSFK holen. Viele seiner Erfahrungen haben
mir zu einem tiefen Verständnis der Faszination Jugendlicher an Rambo verholfen.
In zahlreichen Veröffentlichungen habe ich immer wieder darauf
hingewiesen, dass es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen
innere Feindseligkeit und Militarismus gibt und dass man
diese innerer Feindseligkeit bei Kindern nur überwinden kann, wenn man eine
sichere Umgebung herstellt oder bietet, in der sehr ängstliche Kinder nicht
mehr auf Verteidigung angewiesen sind. Erst Jahrzehnte später wurden meine
Gedanken auch von den institutionellen Vertretern der Friedenspädagogik
aufgegriffen - wie z.B. vom Institut für Friedenspädagogik, Tübingen! (Text
im pdf-Format)
Auch im Bereich Medienrezeption hielt sich hartnäckig in Öffentlichkeit
und Fachwissenschaft die Meinung, Kriegs- und Gewaltvideos
führten zu ungehemmter
Aggression bei den "Rezipienten". Die Auseinandersetzung mit Entwicklungsthemen
in Kindheit und Jugend zeigte dagegen, dass einerseits die
Faszination an Kriegs- und Gewaltthemen eine Entsprechung
in biographischen Erfahrungen von Angriffen auf die eigene
Person hat, andererseits sind Angst, Macht und Gewalt Qualitäten von
Lebenserfahrung, die stärken können
und Beschäftigungen
mit diesen Themen können als rites de passage angesehen werden
können.
Man kann sich leicht vorstellen, dass das Thema Traumatisierung
durch Kriegsereignisse nicht besonders attraktiv ist, verlangt es
doch, dass man sich auf Extremerlebnisse einlassen muss.
Man hat deshalb wenig Chancen, andere zu motivieren, sich
mit diesem Thema zu beschäftigen
- etwa Pädagogen, die mit Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten arbeiten,
oder Friedensforscher, die über Entwürfe von gesellschaftspolitischen
Versöhnungsstrategien nachdenken.
Hier meine wesentlichen Publikationen zu dieser Thematik:
mit Joachim von Gottberg und Magdalena Kladzinski:
Krieg in
BildschirmmedienZur politischen Orientierung Jugendlicher zwischen
Inszenierung und Wirklichkeit, München 2005, 230 S.
Kinder und Jugendliche in westlichen Demokratien kennen den
Krieg vor allem aus den Medien. Auf diese Art und Weise erfahren
sie etwas über den weltweiten politischen Diskurs wie z.B.: Wann ist der Einsatz militärischer Kräfte legitim? Welche Folgen
bringt der Krieg mit sich? Kann man Kriege verhindern? Der Band versucht gesellschaftspolitische Fragestellungen und didaktische
Überlegungen zusammenzuführen, die sich mit der Darstellung des Krieges in Bildschirmmedien beschäftigen. Im Mittelpunkt der
Betrachtung stehen sowohl fiktionale Sendungen wie Kriegsfilme und Computerkriegsspiele als auch Fernsehnachrichten. Die
Beiträge setzen sich kritisch mit formatspezifischen Visualisierungsstrategien vom Krieg auseinander. Sie zeigen auf, welche
Interessen aber auch Gefahren für die politische Orientierung Jugendlicher und ihrer Einstellung zum Krieg hinter medialen
Gestaltungskomponenten stecken. Insbesondere werden die die Folgen der Formatverschränkung und Verwischung der Grenzen zwischen
Inszenierung (Fiktion) und Wirklichkeit (Information) diskutiert. Die Grundlagentexte liefern Informationen, auf deren Basis
Lerninhalte zur Thematik der audio-visuellen Darstellung des Krieges für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen bestimmt
werden können. Die vorgeschlagenen didaktischen Zugänge bieten einen Einstieg in das Thema. Dem Band ist eine CD-ROM mit
Film- und Spieldatenbanken sowie didaktisches Material in kopierfähiger
Form beigelegt.
Christian
Büttner/Mechthild Nauck/Peter Schlaffer (Hg.)
Christian Büttner/Joachim von Gottberg/Verena Metze-Mangold (Hg.)
Christian Büttner