Prof. Dr. Christian Büttner

Entwicklungspsychologie



Neben Veranstaltungen, in denen es darum ging, den Studierenden Kenntnisse in entwicklungspsychologischen Standards und auf der Grundlage der Psychoanalyse als Sozialwissenschaft zu vermitteln, war mir ein besonderes Anliegen, die pränatale Psychologie in meine Angebote einzubeziehen. Außerdem versuchte ich, entwicklungspsychologische Handlungstheorie jenseits von Diagnostik zu vermitteln. So habe ich z.B. die Veranstaltung Prolepsis angeboten, die das Erfahrbarmachen des Zusammenhangs von Phylo- und Ontogenese ermöglichte. Das Experimentelle der Veranstaltung bescherte den Studierenden außergewöhnliche und sehr persönliche Erfahrungen von Entwicklung.

In einem anderen Veranstaltungstyp versuchte ich, Entwicklungspsychologie als etwas zu vermitteln, das Erkenntnisse über die Entwicklungprozesse in professionellen Beziehungen ermöglicht und den Zusammenhang zwischen Progression und Klient-Sozialarbeiter-Beziehung herstellt. Mir war dabei wichtig, zwar einerseits die psychoanalytischen Begriffe zum Gegenstand des Lernprozesses werden zu lassen, aber andererseits den Studierenden auch eine metaphorische Sprache "schmackhaft" zu machen, die in alltäglichen Dialogen oft mehr verrät als komplexe diagnostische Tests.

Thematisch gruppierte ich die einzelnen entwicklungspsychologischen Inhalte um einen speziellen Aspekt der Klient-Sozialarbeiter-Beziehung, z.B. die Übergänge (Aufnahme der Beziehung, die Etablierung neuer Erfahrungen und temporäre Trennungen, Beendigung der Beziehung). Nachfolgend gebe ich die Struktur des Veranstaltungskonzepts mit der Literaturreferenz wieder:

1. Einführung in die Veranstaltung

2. Entwicklungspsychologie/Psychoanalyse: Theoretische Grundlagen

Freud, A.: Wege und Irrwege der Kinderentwicklung, Stuttgart 1971
Buchholz, M. B.: Metaphernanalyse, Göttingen 1993

3. Der erste Übergang: Eine neue Beziehung beginnt

Janus, L.: Wie die Seele entsteht, München, 1993
Krüll, M.: Die Geburt ist nicht der Anfang - die ersten Kapitel unseres Lebens neu erzählt, Stuttgart 1989

4. Zwischenspiel Triangulierung und "Trotzphase": Aus Zweien werden drei und viele...

Dietl, M.: Autonomie und Erziehung im frühen Kindesalter, zur Bedeutung der psychoanalytischen Autonomiediskussion für die frühkindliche Erziehung, Weinheim 1987
Schon, Lothar: Entwicklung des Beziehungsdreiecks Vater-Mutter-Kind, Stuttgart 1995

5. Der zweite Übergang oder die "Verpuppung": Die Metamorphose vom Abhängigen zum Unabhängigen beginnt

Blos, Peter: Adoleszenz. Eine psychoanalytische Interpretation, Stuttgart 1995
Dekkers, M.: Von Larven und Puppen. Soll man Kinder wie Menschen behandeln? München 2003
King, Vera: Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz. Individuation, Generativität und Geschlecht in modernisierten Gesellschaften, Opladen 2002

6. Der dritte Übergang: Die ersten Schritte in eigener Verantwortung

Bohleber, W. (Hrsg.): Adoleszenz und Identität, Stuttgart 1996
Fend, H. : Identitätsentwicklung in der Adoleszenz, Lebensentwürfe, Selbstfindung und Weltaneignung in beruflichen, familiären und politisch-weltanschaulichen Bereichen, Bern 1991

7. Alleine Schwimmen vs. Hotel Mama: Die Ambivalenz zwischen Unabhängigkeit und Regression

Herms-Bohnhoff, E.: Hotel Mama. Warum erwachsene Kinder heute nicht mehr ausziehen, München 1992

8. Übergänge und Übergangsobjekte: Theoretische Konzepte des Übergangs

van Gennep, A.: Übergangsriten (rites de passage) Frankfurt 1986
Winnicott, D. W.: Von der Kinderheilkunde zur Psychoanalyse, Frankfurt 1994

9. Übergänge in der Sozialarbeit: Der Beziehungsprozess mit Anfang, Mitte und Ende

Fthenakis, W. E. (Hrsg.): Übergänge und Brüche im Bildungswesen. Bericht über eine Tagung im Zentrum für Bildungsforschung in München, München 1989
Meueler, E.: Wie aus Schwäche Stärke wird. Vom Umgang mit Lebenskrisen, Reinbek 1987

10. Offene Fragen zum Weiterlesen...