Projekt "Konfliktbearbeitung in Gruppen"
(Christian Büttner/Ulrike Koester)
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| Ulrike Koester
mit ihrer damaligen Klasse
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Als Ergebnis meines ersten Projektes an der HSFK (
Strategien
und didaktische Elemente...) konnten wir festhalten, dass Beobachtung
und Einfühlung in die
Adressaten von Pädagogik für die Gestaltung von Interventionen ebenso wichtig
ist, wie die Vermittlung dieser Erkenntnisse an die Pädagogen selbst. Um
in einem geeigneten Setting solche Interventionen auszuprobieren
und Fortbildungsstrategien zu entwickeln, haben Ulrike
Koester und ich zunächst zwei Spielgruppen
an der Friedrich-Ebert-Schule in Offenbach eingerichtet.
Diese Schule hatte damals ein Einzugsgebiet, das Kinder
aus einem Mittelschichtmilieu und Kinder aus dem Randgruppengebiet
Lohwald-Siedlung umfasste.
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| Der Spielgruppenraum
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Anregungen hatte uns das Buch
Therapeutische Spielgruppen von
Mortimer Schiffer gegeben. Allerdings wollten wir ausdrücklich keine
therapeutische Arbeit anbieten, sondern pädagogische Modifikationen entwickeln,
wie sie auch von nicht-therapeutisch ausgebildeten Pädagogen angewandt
werden können. Für die wissenschaftliche Kontrolle unserer Spielguppenarbeit
konnten wir den Frankfurter Psychoanalytiker Aloys Leber
gewinnen, der den Schwerpunkt auf das
Medium Gruppe in
der pädagogischen Arbeit legte.
Parallel zu der Spielgruppenarbeit etablierte Ulrike Koester in ihrer Schulklasse
Spielstunden, die einmal wöchentlich stattfanden.
Zu dieser Zeit war das Thema Spielen in der Schule en vogue, so dass wir mit unseren Reflexionen dort anknüpfen konnten. Eine erste Publikation entstand in
diesem Kontext:
Spielerfahrungen
mit Schülern.
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| Spielstunden im Unterricht
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Die Spielgruppenarbeit war auf drei Jahre angelegt. Es
gelang, die Kinder, die von einer Sonderschuleinweisung
u.a. auch wegen aggressiven Verhaltens bedroht waren,
in ihren Klassen zu halten. Auch ihre Lehrer änderten nach und
nach ganz allgemein ihre Haltung gegenüber den Kindern ihrer Klasse, sie
wurden aufmerksamer auf die besonderen individuellen Äußerungsformen der
Kinder und sie wurden geduldiger und kompromissbereiter
gegenüber ihren didaktischen
Aufgaben.
Im Rahmen der Hessischen Lehrerfortbildung hatten Ulrike
Koester und ich bereits gruppendynamische Grundkompetenzen
in der Seminarreihe
Liebe - Angst - Aggressionen erwerben können, die wir nun mit
dem Thema Spiel verknüpften. In zahlreichen Lehrerfortbildungsseminaren
entwickelten wir nach und nach ein Setting zur Vermittlung
der Kompetenz, auf Körper-,
Sprach- und Gruppensignale zu achten, um angemessene
Interventionen für die Unterstützung von Gruppenprozessen in
Schulklassen zu planen und die Ergebnisse fachkundig zu reflektieren.
Die Basistexte für diese Fortbildungsarbeit boten wir in einem beim Beltz-Verlag
erschienenen Reader an:
Blinde Liebe - blinder Haß. Außerdem entstanden zahlreiche Aufsätze
zum Thema. Die Fortbildungssettings entwickelte ich
im Rahmen meiner Lehraufträge
am Institut für Didaktik der Elementar- und Primarstufe der Universität
Frankfurt sowie an der Fachhochschule Wiesbaden weiter:
Spielen in der Fachhochschule. Reflexionen über spielpädagogische
Lehrveranstaltungen im Kontext der Friedensforschung,
in: Neue Praxis 4/1979, S. 384-398.