Beim Reggae Sun Ska bedeutet die Arbeit als Ehrenamtliche viel Einsatz, aber auch viel Freude. Seit drei Jahren arbeite ich an der Getränkekasse. Dieser Bereich wurde in diesem Jahr auf zwei Stellen verteilt, um die langen Warteschlangen zu vermeiden, die zu bestimmten Zeiten dennoch unvermeidlich sind. Der Ticketverkauf endet erst 30 Minuten vor dem Ende der letzten Band. Rund vierzig Ehrenamtliche nehmen diese intensive Aufgabe ernst. Es ist einer der wenigen Bereiche, in denen sich jede Stunde Arbeit und Pause abwechseln. Die Verantwortlichen Cendrine und Jean-François Deyre sind von Anfang an dabei, und ihre Motivation ist ungebrochen.
In diesem Jahr muss sich das Team von Music’Action an einen neuen Veranstaltungsort gewöhnen, doch für die Festivalbesucher und die rund 700 Ehrenamtlichen ändert sich an der Organisation nur wenig. In meinen Pausen nutze ich die Gelegenheit, das Reggae Sun Ska von innen zu erleben. Mit einem Pass, der Zugang zu allen Bereichen gewährt, gehe ich hinter die große Bühne. Mein Ziel: legendäre Persönlichkeiten wie U-Roy, David Hinds von Steel Pulse, Tarrus Riley, Alpha Blondy, Groundation und andere zu treffen – Musiker, die die Menschen seit Langem und bis heute zum Tanzen bringen. Hinter den Sicherheitsabsperrungen entdecke ich den VIP-Bereich, einen ruhigen Ort, an dem sich Ehrenamtliche, Techniker und Künstler bei einem Getränk austauschen können. Hinter der Bühne existiert ein anderes Leben: Interviews für Radio und Presse, Helfer, die für gute Empfangsbedingungen sorgen, Künstler mit Zeit für ein Foto, einen Handschlag oder eine Umarmung. Daneben gibt es stille Räume und Momente der Konzentration vor dem Auftritt – Bilder, die man auf der anderen Seite nicht sieht, wo die Menschenmenge für ununterbrochene festliche Betriebsamkeit sorgt.
Um auf die andere Seite der Bühne zu gelangen, muss man sich zunächst durch die dicht gedrängte Menge bewegen. Jeder versucht, der Bühne möglichst nahe zu kommen, als entstünde durch die Nähe mehr Kontakt. Bei der langen Liste bedeutender Künstler in diesem Jahr ist es unmöglich, alle zu treffen. Doch die wenigen Pausen ermöglichen schöne Begegnungen mit einigen von ihnen – Persönlichkeiten, die trotz ihres Alters unersetzliche Referenzen bleiben.