Kultur gemeinsam erleben

Temperament und Talent in Pichon Longueville le Baron

Karte von Pauillac und Pichon Longueville

Wie die Musketiere des Königs haben sie einen Leitspruch: „Deine Pflicht ist es, deinen Traum zu retten.“ Er stammt von Amedeo Modigliani, dem unvergleichlichen Künstler mit dem tragischen Schicksal. Seine Werke wurden gerade in Paris ausgestellt, als die Musiker beschlossen, ihr Quartett zu gründen. Ein solcher Satz konnte diese sehr jungen, temperamentvollen und leidenschaftlichen Interpreten nur begeistern, deren Traum nun Gestalt annimmt.

François Kieffer, der Cellist, dessen Präsenz im Spiel überwältigend ist, erklärt: „So wie man ein Werk Modiglianis unter allen anderen erkennt, möchten wir eine Klangpalette entwickeln, an der Musikliebhaber uns sofort erkennen.“

Das Quatuor Modigliani

Das zeigt den Anspruch einer Gruppe, die ihre Umgebung zunächst leicht täuschen kann, wenn sie durch die Flure des großen Pauillac-Weinguts stürmt und ihre Geigen- und Cellokästen lässig am ausgestreckten Arm schwingen lässt. In diesen Kästen liegen Schätze mit Namen wie Guadagnini, Gagliano, Mariani und Goffriller. Genau das gewinnt das Publikum augenblicklich für sie: modern, bescheiden und außerordentlich begabt. Die Namen der renommierten Bühnen, auf denen sie bereits gespielt haben, sollen hier nicht noch einmal aufgezählt werden. Auch ihre Auszeichnungen müssen nicht eigens erwähnt werden.

Hören wir ihnen einfach zu. Und es wird prachtvoll. Joseph Haydns Quartett in G-Dur: ungestüm, weit, glänzend, luftig und zugleich kraftvoll entfalten sich seine Sätze. Die Musiker, bestens aufeinander eingespielt und von vollkommener Geschlossenheit, führen sie mit scheinbarer Leichtigkeit aus. In Claude Debussys einzigem Quartett in g-Moll wird die Komplexität deutlich spürbar. Auf den vollkommenen, kraftvollen Einsatz folgen Arabesken und ein schlichter Gesang, dann wilde Pizzicati, die einem melancholischen Nocturne weichen. Der ausdrucksstarke Gesang des Cellos führt uns weit zurück, nach Prades zu Pablo Casals. Aus diesem Gesang entsteht die abschließende Ruhe.

Im Quartett in f-Moll von Felix Mendelssohn, das Gegenstand ihrer jüngsten Aufnahme war, wachsen die Interpreten über sich hinaus. Das Cello führt das erschütternde Trauerthema ein, das von der Bratsche aufgenommen wird. Wie durch den Aufruhr miteinander verbunden, ergreifen die vier Bögen das düstere Thema und eilen in einer eindrucksvollen Flucht nach vorn, bevor das Cello erneut den gesamten Klangraum einnimmt. Danach erobert ihn die erste Violine in einem wirbelnden, virtuosen Finale. Das Publikum steht – gebannt und von Emotionen überwältigt.

„Musique au Cœur du Médoc“, das mehr als 260 Menschen zu diesem fulminanten Konzert bewegen konnte, darf seinen Erfolg genießen.