Eine englisch-französische Freundschaft

 


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amitie amitie
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Als ich mit elf Jahren anfing, in der Schule Französisch zu lernen, fragte uns unser Lehrer, ob jemand von uns Lust auf eine Brieffreundschaft mit einer Französin hätte. Ich habe diese Chance ergriffen in der Hoffnung, mit jemandem aus Paris in Kontakt zu kommen. Als ich dann tatsächlich eine Brieffreundin zugeteilt bekam, stellte ich fest, dass sie in Gaillan-en-Médoc lebte. Wir haben uns regelmäßig geschrieben, abwechselnd in englisch und französisch.

Als ich dann 15 geworden war, fuhr ich zu einem ersten Besuch zu ihr ins Médoc. Bei unserem ersten Treffen im Bahnhof Saint Jean/Bordeaux verstand ich erst kein Wort, der médocainische Akzent war vollkommen verschieden von der Aussprache unseres Englischlehrers. Gleichwohl gewöhnte ich mich schnell daran und hatte sehr angenehme Ferien, wir schauten uns Soulac, Montalivet, Maubuisson usw. an und natürlich auch Bordeaux.

Damals, vor etwa 50 Jahren, gab es noch sehr wenig Autos. Nach Bordeaux kamen wir mit dem Bus (CITRAM) und Freunde der Familie fuhren uns in der Gegend herum. Wir machten Fahrradausflüge auf der Straße, die jetzt die D1215 ist und die damals sehr viel weniger befahren war. Die Milch holten wir direkt von der Kuh und frische Eier von Freunden der Familie, die gleich neben der Kirche wohnten. Zu dieser Zeit war die Harzgewinnung noch ein wichtiger Industriezweig und ich war sehr beeindruckt von den Töpfen an den Bäumen, mit denen das Harz gesammelt wurde. Was heute das UNIMEDOC ist, war damals eine kleine Winzergenossenschaft, wo wir den Wein selbst in die Flaschen pumpten.

Einige Jahre später kam dann meine Brieffreundin zu einem Gegenbesuch in meine Familie. Ich hatte gerade den Führerschein gemacht und holte sie mit meinem alten Ford Popular in Newhaven ab. Wir fuhren zu einem Besuch meiner Großmutter in Hastings, bei der wir übernachteten, danach erst fuhren wir zum Haus meiner Eltern nach Hampshire.

Richard und ich heirateten 1965. Im Sommer 1960 waren wir nach Frankreich gefahren und haben auf dem Weg in den Süd-Westen meine Brieffreundin und ihre Familie in Gaillan besucht. Daraus wurden feste Familienfreundschaften und letzten Endes kauften wir uns selbst ein Haus in Gaillan. Mit den Jahren kamen meine Eltern, ihre Kinder, Enkelkinder und andere Verwandte und Freunde in den Ferien ins Médoc. Wir lieben weiterhin das Meer, die Landschaft, das Essen und den Wein und die Menschen im Médoc.

Margaret Beasley (Gaillan), Übersetzung: Christian Büttner/Elke Schwichtenberg