Fly me to the …… Médoc

 

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fly me to the Médoc

Sommerzeit – oftmals gleichbedeutend mit langen Blechlawinen, Hektik und endlosen Staus, bis man endlich entnervt sein Urlaubsziel erreicht hat. Wohl dem, der sich stattdessen in eine etwas anders konstruierte “Blechkiste“ setzen und stressfrei in die Lüfte abheben kann. Gedacht – geplant – abgehoben!

Im Juli 2012 war es wieder soweit: Flug von Marburg– Schönstadt nach Soulac sur Mer ins Aquitaine mit einer kleinen viersitzigen Robin, Kennung: DEBTM (Delta-Echo-Bravo-Tango-Mike), wobei ‘Delta‘ für Deutschland steht.

Zunächst muss für das Ausland ein Flugplan aufgegeben werden, der sich an den internationalen Flugrouten ausrichtet und von Brüssel genehmigt werden muss. Um 9.00 Uhr Ortszeit (= 7.00 Uhr UTC) starten wir zunächst im VFR-Flug (= visual flight rules) unter Sichtflugbedingungen über Koblenz, Rhein, Mosel und Hunsrück bis nach Nancy, unserer ersten Etappe (Flugzeit etwa eineinhalb Stunden). Wir landen ‘hochherrschaftlich‘ auf dem ehemaligen Verkehrs- und Militärflughafen – heute in Metz – auf kilometerlanger Betonpiste als einziges Flugzeug, um aufzutanken.

fly me to the Médoc

Nach kurzer Kaffeepause beginnt der längere Abschnitt, diesmal unter IFR-Bedingungen (instrumental flight rules) je nach Wetterbedingungen in Flugfläche 80 oder 90 (etwa 2,5 – 3 km hoch). Ist die Wolkendecke niedrig, durchfliegen wir die Wolken und erleben einen strahlend blauen Himmel mit weißen Wolkenformationen, die wie eine lebendige Landschaft wirken. Bei hoher Bewölkung bleiben wir unterhalb und genießen die weite, dünnbesiedelte französische Landschaft.

Wir überfliegen die Bourgogne nördlich von Dijon, streifen die Ausläufer des Massif Central, häufig eine Schlechtwetterzone, sehen unter uns die Loire, Moulin, Montlucon und lassen uns von den Radarleitstellen (Reims – Paris – Bordeaux) weiterführen bis ins Limousin und Périgord. Am liebsten hören wir den Satz: ‘Direct to…‘, bedeutet es doch, dass wir bei geringem Flugverkehr die vorgeschriebene Route verlassen und statt z.B. über Poitiers ‘direct to‘ Angoulême fliegen dürfen.

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Es passiert aber auch, dass wir weiträumig umfliegen müssen, weil bei Cognac die Miragedüsenjets den Tiefflug proben oder am Wochenende Freizeitfallschirmspringer ihr Training absolvieren. Diesmal haben wir Glück, es geht ‘tout droit‘. Von weitem schon sehen wir die Médoc-Halbinsel im Dunst erscheinen, der Phare de Cordouan grüßt herüber, dann geht es im allmählichen Sinkflug über Royan und die Girondemündung Richtung aérodrome de Soulac. Der Tower ist wie üblich unbesetzt (Mittagszeit), so dass ein kurzer Überflug aus Sicherheitsgründen nötig ist, um den Windsack und damit die Windrichtung zu überprüfen.- Alles okay! Wind wie fast immer aus Westen, so dass wir in Richtung Meer landen können. Flugzeit viereinhalb Stunden. Jetzt vor lauter Freude nicht vergessen, den Flugplan in Bordeaux zu schließen, sonst gilt man als vermisst, schlimmstenfalls abgestürzt und wird gesucht. Das ist uns in frühen Fliegerjahren beinahe einmal passiert und war uns eine Lehre!

Jetzt schnuppern wir schon begeistert Atlantikluft – der Urlaub im Euronat kann beginnen!!

Gisela Buurman (Grayan)