Das Delta der Leyre

 

Karte des Leyre-Deltas
Delta der Leyre 1 Delta der Leyre 2
Delta der Leyre 3 Delta der Leyre 4
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Nachdem die Leyre gemächlich durch den Galeriewald geflossen ist, der ihr den Namen „Kleiner Amazonas“ eingebracht hat, verzweigt sie sich zu einem herrlichen Delta, bevor sie vom Becken von Arcachon aufgenommen wird. Dort bildet sie einen zauberhaften Ort: die Domaine de Certes. Sie ist die wichtigste Sehenswürdigkeit von Audenge, einem kleinen Hafen- und Badeort am innersten Ende des Beckens von Arcachon. Die Domaine de Certes gehört zum Regionalen Naturpark Landes de Gascogne. Es ist eine friedliche Wasserlandschaft, die man frei durchwandern kann und die an eine ursprüngliche Welt erinnert.

Die Wanderung beginnt am Château de Certes, das zurzeit restauriert wird. Ein Beet voller Osterglocken zeigt uns, dass der Frühling angekommen ist. Ein Feldweg führt zum nahe gelegenen Delta. Dort entdecken wir ein Geflecht aus Kanälen, deren Wasser rostbraun und blau schimmert, sowie weite Teiche, in denen Enten durch jeansblaues Wasser ziehen. Manchmal fällt ein Stück Stern vom Himmel und zerbricht schließlich in viele kleine Splitter. Die Wildvögel stoßen raue Rufe aus und durchbrechen die Stille dieser friedlichen Welt.

Die Königsfarne, die an den Kanälen dichte Hecken bilden, sind vom nahen Winter noch immer braun gefärbt. Hin und wieder überspannt eine kleine gewölbte Brücke einen der Wasserläufe und erlaubt uns, ihn ohne störendes Pflanzendickicht zu betrachten. Ohne sie hätten wir ihn nicht sehen können. Manchmal stoßen wir auf eine alte Schleuse, dann auf eine neuere, die jedoch nach demselben Vorbild gebaut wurde. Ich sehe zwei schlafende Schwäne, die sich sanft im Rhythmus der kleinen Wellen wiegen. Oder halten sie nach einer möglichen Abendmahlzeit Ausschau? Jedenfalls habe ich sie gestört. Verzeihung!

Dann entdecke ich eine Lücke in der Vegetation. Ich steige das schlammige und etwas rutschige Ufer hinunter. Hier ist der Kanal beinahe ausgetrocknet. Eine Folge der Ebbe im Becken? Oder der Trockenheit, die bei uns seit mehreren Monaten herrscht? Die Sonne verleiht dem feuchten Sand die Farbe des Mondes. Stromaufwärts mischt sich im schlammigen Grund Ocker mit einem matten Rosa. Die Wasserlachen wirken blass und kraftlos.

Doch die Zeit schreitet voran. Etwas widerwillig muss ich umkehren, denn ich möchte den kleinen Austernhafen von Audenge wiedersehen. Bis bald also zur Fortsetzung des Spaziergangs. Vielen Dank für Ihren Besuch.