Die Grotten von Majolan

 

Karte des Parks von Majolan
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Heute sah der Himmel so aufgewühlt aus, dass ich dachte, er würde gleich zu weinen beginnen. Doch dann fand er sein azurblaues Lächeln wieder, geschmückt mit kleinen, heiter wirkenden weißen Wolken. Eine leise Stimme in mir warnte zwar: „Das ist trotzdem Schauerwetter!“ Aber ich brachte sie schnell zum Schweigen. Mit dem Fotoapparat in der Tasche fuhr ich in den nur fünf Kilometer entfernten Park von Majolan in Blanquefort. Kaum hatte ich am Nordtor ein Foto gemacht, war ich schon nass wie ein begossener Pudel. Das Wasser des Himmels stattete dem Wasser der Erde einen stürmischen Besuch ab.

Der zwischen 1870 und 1880 angelegte Park ist ein typisches Beispiel für einen romantischen Landschaftspark. Er entstand auf einem Sumpfgebiet; die Jalle, ein kleiner Wasserlauf, wurde umgeleitet, um den See anzulegen. Ich folge dem Fluss. Die Bäume neigen sich zu ihm hinab, um sich darin zu spiegeln – welch ein Narzissmus! Seerosen warten träge auf ihre nächste Blüte. Eine prächtige Rosskastanie breitet stolz ihre Stämme und Äste am Wegesrand aus. Wenig später entdecke ich Ruinen, vielleicht ein altes verwunschenes Schloss, denn einige Enten fliehen in großer Eile.

Inzwischen hat der Regen aufgehört, und sogar ein Stück blauer Himmel ist zu sehen. Rechts liegen einige Weinreben; schließlich sind wir im Médoc, und der Wein ist nie weit entfernt. Man erkennt sogar die Dächer des Schlosses. Eine große, heute ziemlich durchnässte Wiese eignet sich für Ballspiele und Picknicks. Endlich sehe ich sie: die berühmten Grotten von Majolan. Doch der Himmel zieht erneut zu und wird sein Wasser wohl bald wieder ausschütten. Ich suche Schutz unter einem dicht belaubten Baum.

Als der Regen schwächer wird, gehe ich zu den Grotten. Obwohl sie völlig natürlich wirken, sind sie künstlich. Sie wurden 1880 aus hydraulischem Kalk errichtet; das Wasser des Sees dringt unter sie. Die Grotten verstärken die romantische Atmosphäre des Parks. Sogar eine verborgene Höhle sorgt für Geheimnis und Abenteuer. Was verbirgt sich in dieser schwarzen Öffnung? Was liegt am Grund ihrer Dunkelheit? Ringsum wirkt dennoch alles freundlich.

Ich steige hinauf und sehe unter mir kleine Schluchten und sogar einen Wasserfall, dessen Plätschern sich mit dem Gesang der vielen Vögel verbindet. Doch schon verdunkelt sich der Himmel wieder. Ich ahne, dass eine weitere Dusche auf mich wartet, und meine Schuhe machen bereits bei jedem Schritt „platsch“. Wie könnte ich wasserfest werden – oder noch besser: für den Regen unsichtbar?

Der See nimmt selbst die Farbe von geschmolzenem Blei an. Doch offenbar war es falscher Alarm; der Wind hellt den Himmel bereits wieder auf. Da ich die Grotten nicht betreten kann – das ist leider nur an Wochenenden und Feiertagen möglich –, umrunde ich sie und nutze die Aufhellung für einen Spaziergang am Seeufer.

Quelle: divagations-et-balades.com