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Der Hafen von Neyran

 

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Feuchtgebiete im Medoc 7

Tief am Ende eines langen, geradlinigen Kanals gelegen, ist Neyran zweifellos der am meisten vergessene kleine Hafen am linken Ufer der Gironde-Mündung. Er gehört zum Gebiet von Soulac, doch mitten in Wiesen und Sümpfen bietet er eine völlig andere Landschaft als der zum Ozean hin offene Badeort. Auch wenn man noch Spuren seiner früheren Tätigkeit erkennen kann, schläft dieser kleine Hafen seit einigen Jahrzehnten.

Ursprünglich handelte es sich um einen privaten Hafen, der zum Gut Neyran gehörte, dessen Herrenhaus noch heute existiert. Im 18. Jahrhundert wurde er aufgrund seiner Nutzung zu einem Ausgangspunkt für das in den Mattes angebaute Getreide – fruchtbare Böden, die durch ein Netz von Kanälen und Schleusen entwässert wurden. Seine Bedeutung wuchs mit der Entwicklung des entstehenden Badeortes Soulac in den 1860er Jahren, da über Neyran die Baustellen der ersten Villen und Chalets mit Werksteinen versorgt wurden. Doch Neyran, am Ende eines schlecht unterhaltenen und verschlammten Kanals gelegen und nur bei Hochwasser sowie an Tagen mit Vollmond erreichbar, war wenig attraktiv. Die Gemeinde konnte sich nicht an seinem Ausbau beteiligen. Die französische Straßen- und Brückenbauverwaltung plante bereits 1849 eine schräge Anlegestelle sowie die Vertiefung des Kanals.

Erst 1887 wurde Neyran schließlich mit einem richtigen Kai ausgestattet, der die Waren vor dem Wasser schützte. Im 20. Jahrhundert erlebte der Hafen seine Blütezeit. Austernschälhütten entstanden in der Nähe der „Crassats“ (natürliche Austernbänke) und brachten Neyran eine neue wirtschaftliche Aktivität. Zahlreiche kleine Boote lieferten ihre wertvolle Fracht an. Im Mai 1964 nahm zudem eine Versuchsstation des ISTPM (Technisches und Wissenschaftliches Institut für Meeresfischerei) ihren Betrieb auf, um die Entwicklung der Gewässer der Gironde-Mündung zu beobachten.

1977 waren noch elf Boote registriert, von denen vier ausschließlich für die Austernzucht genutzt wurden. Heute scheint Neyran erloschen zu sein. Der Deich entlang der Mündung wurde 1948 wiederaufgebaut, und der Kanal existiert weiterhin. Doch die Austernzucht verschwand in den 1970er Jahren zusammen mit den gescheiterten Industrialisierungsprojekten an der Spitze des Médoc.

Eine Wiederbelebung des Ortes hat bislang nicht stattgefunden. Abseits von allem gelegen und den Winden aus allen Richtungen ausgesetzt, ist Neyran heute ein vergessener Zeuge einer einst lebendigen Vergangenheit. Dennoch kann man dort wunderschöne Spaziergänge inmitten der Natur unternehmen.

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