Es ist eindeutig Ebbe. Die Boote können nicht auslaufen. Das ist der Nachteil dieser Orte am inneren Ende des Bassin d’Arcachon – der Bucht von Arcachon, wie die Pariser sagen: Das Leben hier richtet sich nach dem Auf und Ab der Gezeiten. Hütten säumen den Hafen; dort kann man Austern, Strandschnecken und andere Muscheln oder Krustentiere genießen. Manche wirken unscheinbar, andere tragen stolz die traditionellen Farben Blau und Weiß, die von salziger Luft und Seewind noch nicht ausgebleicht sind.
Hier beginnt – oder endet – die Domaine de Graveyron, die ebenfalls zum Delta der Leyre gehört. Im Sommer habe ich dort blühendes Wollgras gesehen. Ich beschließe, ein Stück dem Küstenweg zu folgen, der zwischen Strand und Fahrrinne verläuft.
Am Strand liegt ein Mann, schläfrig von der ersten Wärme. Immerhin sind es fünfundzwanzig Grad, wie an einem Maitag. Ein Baum trotzt der Sonne, das Meer glitzert, und weit hinten im Dunst macht Ihre Majestät, die Düne von Pilat, wohl wie gewohnt einen lang gestreckten Buckel.
Flache, rötliche Wiesen säumen die Ufer. Ein abgestorbener Baum erinnert mich an ein Krokodil, das sich auf seine Vorderbeine gestützt an seine Beute heranpirscht. Ich verstehe sein Interesse, als ich ein Reh entdecke, ebenso rotbraun wie das Gras, das unbekümmert und ohne jede Ahnung von der Gefahr weidet. Aber was erzähle ich da! Es ist doch nur ein abgestorbener Baum.
Stockenten watscheln über das Wasser. Einige Wagemutige möchten weiter hinausschwimmen, doch ein strenger Schwan behält sie im Auge. Andere, vermutlich hungrig, steigen ans Ufer und suchen nach einem Leckerbissen.
Die Zeit vergeht, die Flut steigt, und die Boote schöpfen wieder Hoffnung, über die Wellen hinauszufahren. Bald wird das Licht schwächer; am Strand werden die Schatten länger, und über dem Hafen scheint es sich bereits nach Westen zurückzuziehen, dorthin, wo alle untergegangenen Sonnen ruhen. Den oberen Teil des Hafens taucht es jedoch noch in seinen abendlichen Glanz.
Also werde ich nach Hause fahren. Bis später – und vielen Dank, wenn Sie mir mit einem kleinen Besuch eine Freude machen.