Aus dem Meer gerettet...

 

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Retter im Dauereinsatz

Es war zu Pfingsten, schönes Sommerwetter und eine ordentliche Brandung, wir haben einen Spaziergang von Euronat nach Le Gurp gemacht. Der Strand war noch nicht bewacht. Auf der Hälfte des Weges begegneten wir mehreren Jugendlichen, die am Strand Ball spielten. Im Weitergehen hörten wir sie noch fröhlich ins Wasser laufen zur Abkühlung. Wir sind nur wenige Schritte weitergegangen, als wir hinter uns eine Frauenstimme rufen hörten: „Kommt zurück, kommt sofort zurück!!!“ Wir drehten uns um und sahen eine Frau, die immer wieder hinter den Jugendlichen her schrie: „Kommt sofort zurück!!“ Ein Junge folgte ihren Rufen und kam an Land, zwei andere aber, ein Mädchen von etwa 16 Jahren und ihr Freund wollten erst nicht – und dann plötzlich – konnten sie nicht mehr zurück! Es war Ebbe, ablaufendes Wasser und die beiden wurden immer weiter ins Meer gezogen!

Die Mutter schrie, der Junge, der an Land war, etwa 15 Jahre, schrie ebenfalls: „Das ist meine Schwester, ich kann doch meine Schwester nicht allein lassen, ich muss ihr doch helfen!“ und wollte sich verzweifelt sofort wieder ins Wasser stürzen. Nur mit viel Mühe konnten wir ihn zurückhalten, wir riefen: „Sie müssen die Polizei oder die Feuerwehr anrufen, wer hat ein Telefon!?“ Der Junge hatte eins mit am Strand, seine Mutter verständigte umgehend die Polizei und rannte dann zum Hauptstrand von Euronat, um vielleicht dort Hilfe zu finden. Sie bat uns, die beiden Schwimmer im Auge zu behalten, die immer weiter hinausgezogen wurden und langsam Richtung Le Gurp abtrieben.

Da kam der Junge plötzlich mit seinem Surfbrett, das war wirklich eine gute, wenn auch nicht ungefährliche Idee, er rannte ins Wasser und versuchte, seine Schwester und ihren Freund mit dem Brett zu erreichen. Das schaffte er nur mit Mühe und Not, dann konnten sich alle drei an das Brett klammern. Wir atmeten auf, jetzt konnten sie zurückkommen… Aber selbst das gelang den drei Jugendlichen nicht, sie kamen einfach nicht gegen den Sog an und waren jetzt schon ein ganzes Stück über die Brandung hinaus getrieben. Einer von uns rannte nach Le Gurp, um zu sehen, ob dort jemand Hilfe bringen konnte – vergeblich, auch dort keine Strandbewachung. Die drei Jugendlichen schrien aus Leibeskräften, und wir konnten überhaupt nichts für sie tun, sondern standen hilflos am Strand – ein entsetzliches Gefühl! Jeden Moment konnten einen von ihnen die Kräfte verlassen, das Wasser hatte nur 16 Grad, eine Unterkühlung drohte ihnen sowieso.

Nach schier endlosem Bangen, hilflosem Schreien und Winken kam nach etwa 45 Minuten ein Fischerboot aus Richtung Montalivet angeschossen, dessen Besatzung die Schreie der Jugendlichen gehört hatte und brachte die ersehnte Rettung! Fast zeitgleich kam ein Feuerwehrauto mit angehängtem Boot aus Soulac, das glücklicherweise nicht mehr zu Wasser gelassen werden musste. Die drei Jugendlichen wurden nach Montalivet gebracht, wo schon der Notarzt auf sie wartete, zum Glück hatte keiner eine gravierende Unterkühlung, und alle drei konnten nach einer Erstversorgung wieder zurück nach Euronat.

Wir haben noch am Abend im Schlaf die Schreie der Jugendlichen gehört, wie hätten wir uns erst gefühlt, wenn wirklich die Rettung zu spät gekommen wäre für einen oder alle Drei!? Wir hoffen, dass recht viele diesen Beitrag lesen und gewarnt werden vor der Unberechenbarkeit des Meeres!

Hannelore und Borwin Holsträter (Grayan)