Der Mann, der Bäume pflanzt

 

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Michel hat Bäume seit jeher geliebt. Von Kindesbeinen auf. Als ich ihn kennenlernte, hat mich sofort seine Naturliebe, seine Liebe für den Wald und jeden einzelnen Baum in seinen Bann gezogen. In Hernan, auf unserem Hof im Médoc am Ufer der Gironde haben wir zusammen so viele Bäume gepflanzt wie wir nur konnten. Jahrelang haben wir geschuftet, um aus unwirtlichem Brachland, das wir von der Gemeinde angepachtet hatten, mit dünnstämmig schwach entwickelten Erlen durch gezieltes Ausdünnen und Beschneiden der Bäume eine Waldwiese zu erschaffen, mit inzwischen kräftig entwickeltem Baumbewuchs. Das hat uns gute fünfzehn Jahre lang beschäftigt.

Aber der Wald fehlte uns, ihm wie auch mir. So machten wir uns auf die Suche nach einem Fleckchen Erde, das uns unserer wirklichen Bestimmung näherbringen würde. Ende März 2016 erhielt ich ein Angebot für ein fast sechs Hektar großes Stück Windbruch-Brachland in Louley bei Hourtin.

Ich kannte die Ecke seit vielen Jahren. Als ich damals im Forsthaus von Hourtin-Plage lebte, unternahm ich oft mit meinen Pferden Streifzüge nach Louley. Ich liebte dort ganz besonders einen zauberhaften Waldweg mit seinen alten, riesigen, majestätischen Eichen. Früher, bevor ich es kannte, war das Gebiet geprägt von kleinen Höfen mit Waldwiesen, Obst- und Gemüsegärten, Hauwäldern, wo die Bauern sich ihr Brennholz für den Winter schlugen. Die Pinien-Monokultur hatte dies alles verdrängt obgleich sie ihrerseits Waldbränden und Sturmbruch erlag.

Seit dem großen Sturm von Dezember 1999 war auf dem mir angebotenen Gelände nichts mehr geschehen, die Reste der gefallenen Kiefern moderten vor sich her und waren von Dornen überwuchert und mit Stechginster zugewachsen. Nur einige Pinien hatten überlebt und standen mischwaldmäßig hauptsächlich mit Eichen zusammen. Ich nahm das Angebot an mit der Auflage, dass die begonnen Fällarbeiten sofort eingestellt würden und die Eichen verschont blieben. Leider hat der Besitzer und Verkäufer sich nicht an sein Wort gehalten und die großen Eichen vor dem Unterzeichnen des Vertrages gefällt. Sie waren nicht mehr. Wir hatten trauriges Brachland.

Michel hat Bäume seit jeher geliebt. Er versteht sie, kennt sie, spricht mit ihnen, pflegt sie hingebungsvoll. In Louley hat er sich geradezu austoben können um hier ein Laubwald-Biotop neu zu erschaffen, das eines Tages ein Nährwald werden soll, mit Blüten für Bienen und diverse Insekten, Beeren für Vögel, Hecken für Niederwild und Igel, Wasserbereiche für Frösche, Kröten, Libellen und Enten, schattige Waldwiesen für die Pferde.

Seit 2017 haben wir uns voll in dieses Projekt investiert und jedes Jahr etliche Hundert Bäume oder Bäumchen gepflanzt. Insgesamt sind es schon weit über 2000 und wir hegen und pflegen sie, um ihnen ihre Chance zu geben: ein Einsatz für die, die sie nach uns lieben und womöglich hegen werden. Es ist eine unvergleichliche Freude mitzuerleben, wie stark sie jedes Jahr wachsen. Zu sehen, wie Birken und Ginster sich einstellen, lauter verschiedene Blumen neu erscheinen, kleine schwarze Wildbienen, Schmetterlinge, Libellen und immer mehr Vögel.

Jedes Jahr helfen Freunde unseres Vereins hier und da mit, zu pflanzen und das Werk weiterzuführen. Heute, mit seinen über 75 Jahren, pflanzt Michel weniger, langsamer und lässt sich zunehmend helfen. Dafür lehrt er gerne seine Techniken des Pflanzens und Beschneidens, wie er es von seinem Vater und Großvater gelernt hat, Techniken die heute noch gelten und sich bewiesen haben.

Und jedes Jahr freuen wir uns neu daran feststellen zu dürfen, dass Bäume zu lieben ansteckend ist!

2023 Déa L’Hoëst (Louley)