Jagen im Médoc

 

sanglier
Foto entnommen dem Video:
Tir d'un sanglier au rembuché

Ich habe vor langer Zeit mal eine Arbeit im Weinberg eines chateau angenommen. Da gab es einen Tag, an dem mich der Patron mit der Nachricht empfing, heute würden alle gemeinsam auf die Jagd gehen. Ich solle doch mitkommen. Bis dahin hatte ich mit Jagd und Gewehr überhaupt nichts zu tun, und so konnte ich nur erwidern, dass ich weder eine Jagderlaubnis noch ein Gewehr hätte. Dann müsse ich eben an diesem Tag allein auf dem Weinberg arbeiten. So etwas wollte ich nicht nochmal erleben, weshalb ich mich am folgenden Tag auf die mairie begab, um zu erfahren, was zum mitjagen erforderlich sei. Ich musste natürlich Vieles lernen und verstehen. Aber ich habe mit Erfolg die Prüfung für meine permis bestanden. Seit dieser Zeit ist die Jagd ein Ereignis, das fest zu meinem Leben im Médoc gehört. Und so läuft das ab:

Bei der Treibjagd wird ein bestimmtes Gebiet von den Jägern eingekreist, von hinten kommt die Hundemeute. Und wenn man zufällig da steht, wo das Wild kommt, hat man das Glück, schießen zu können. Wenn nicht, dann fährt man wieder nach Hause. Wir sind oft 35-40 Jäger und wenn wir Glück haben, schießen wir an einem Tag zwei Tiere. Ich bin auch schon oft mitgefahren, habe von morgens 8 bis nachmittags 5 Uhr das Gewehr rumgetragen und noch nicht mal ein Wildschwein gesehen.

Die meisten französischen Jäger, die ich im Médoc kennengelernt habe sind sehr naturverbunden und human denkende Leute, die sehr mit ihrer Region verbunden sind. Und auch ich finde es humaner, ein Wild, das in der freien Wildbahn gelebt und frische Wiese, Luft und Wald gehabt hat, durch einen fairen Schuss zu erlegen, als diese Massentierhaltung auf Gitterrosten und mit einer Ernährung mit oft fragwürdigem Futter, wo die Tiere unter erbärmlichen Umständen ihr Leben lassen müssen.

Für mich ist die Jagd zudem eine gute Möglichkeit, mich zu integrieren. Ein Franzose hat mir mal gesagt, er findet die meisten Deutschen hier in der Region sehr nett, aber er hat etwas gegen solche, die die deutschen Verhältnisse nach hier übertragen wollen. Das geht uns ja in Deutschland mit z. B. den türkischen Immigranten ganz ähnlich. Ich jedenfalls habe mich entschieden, mich nach den französischen Gewohnheiten zu richten.

Achim Haiter (Blaignan)