Mit der Natur leben

Land aus Himmel und Wasser

Karte von Grayan-et-l’Hôpital
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Auf dem Weg zum Altenheim gibt es eine Stelle, an der ich die Hauptstraße verlasse und auf eine andere einbiege, die genau nach Westen führt. Sie bahnt sich ihren Weg durch das Pampasgras, dessen seidige Blütenstände die aufgehende Sonne silbern färbt.

Links liegt ein breiter Graben voller glitzernden Wassers; rechts erstreckt sich das Marschland, das durch die sintflutartigen Regenfälle der vergangenen stürmischen Tage neu belebt wurde. Dort vermute ich eine ganze Armada von Kaulquappen, die sich eifrig bemühen, Frösche zu werden. Nach der Durchfahrt durch das kleine Dorf Grayan folgt eine rechtwinklige Kurve nach Norden in Richtung Soulac. Nach zwei oder drei Schlenkern führt die Straße schnurgerade durch die hohen Kiefern, die an stürmischen Tagen den Wind so eindrucksvoll zum Brausen bringen.

Zu meiner Linken trennen sie mich von der tosenden Wassermasse des westlichen Ozeans. Hier und da bilden die goldenen Mimosenbüsche kleine Wälder innerhalb des großen.

Am Abend, auf dem Rückweg, werde ich zu einer anderen Sinfonie eingeladen. Die untergehende Sonne taucht das Marschland in Blutrot und lässt das Pampasgras aufleuchten. Während sie langsam sinkt, verwandelt sie den Himmel in eine vielfarbige Palette, hüllt die Welt in das dunkle Vorspiel der Nacht und streichelt ein letztes Mal das bläuliche Wasser eines kleinen Priels. Zugleich versucht sie, heimlich auch das Wasser eines Teiches in Brand zu setzen.

Wie könnte man sich nicht vor dieser immer neuen und doch niemals gleichen Apotheose verneigen? Das ist das blaue Médoc. Es besitzt vielleicht nicht das Ansehen des anderen Médoc, des Landes der Weinberge, doch es ist ein Land weiter Räume – und von so großer Schönheit!