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Was wäre das Médoc, Landstrich zwischen Gironde und Atlantik, wenn es keine Organisationen gäbe, die sich um die Wasserwirtschaft kümmerten? „Ein Teil des Médoc wäre während eines großen Zeitraums im Jahr überschwemmt“, antwortet Guy Guimard, Präsident des Wasser-Verbandes bassins versants Artigue et Maqueline, Süd Médoc, „aber vor allem gäbe es ein Chaos, wenn Entscheidungen über die Wasserwirtschaft den einzelnen Privatleuten überlassen würden.“ An der Messlatte der Auffangbecken können sich die Techniker einen Überblick über die jeweilige Situation verschaffen, die von Gegend zu Gegend unterschiedlich sein kann.

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"Trotzdem glauben die Leute, wir wären nur dazu da, die Gräben und Kanäle auszubaggern", beschwert sich Dorian Thibaudat, Flusstechniker des Wasserverbands im Nord-Médoc. Die Aufgaben gehen weit über das alleinige Ausbaggern hinaus. Anlegen und Pflegen der Wasserläufe, Versorgung und Schutz der Lebensräume im Wasser, aber auch die Überprüfung der Wasserstände, das sind einige Beispiele für die Aufgaben der Techniker, die bis zu einem Drittel ihrer Arbeitszeit vor Ort verbringen. Ein per Regionalvertrag gesicherter Wasserwirtschaftsplan eröffnet den Technikern die Möglichkeit, auch auf privatem Gelände die Wasserläufe zu überwachen. Administrative Tätigkeiten wie die Durchführung von Untersuchungen machen die andere Seite ihrer Arbeit aus.

„Bei jeder Entscheidung, die ich treffe, weiß ich ganz genau, dass sie nicht allen gefallen wird“, sagt Julien Laloubeyre, der einzige Techniker des Verbands bassins versants Artigue et Maqueline seit 6 Jahren. Wenn wir von vielen gebeten werden, für deren persönliche Interessen aktiv zu werden, dann müssen wir irgendwie ausgleichend wirken und zudem den Schutz der Biodiversität im Auge behalten. Jeder Eingriff an einer Stelle bewirkt etwas an einer anderen. Wir müssen versuchen, die Eingriffe so minimal wie möglich zu halten.“ „Wenn das Wasser in das Land eindringt, müssen wir dafür sorgen, dass es möglichst schnell wieder herauskommt“, sagt Julien Laloubeyre. Deshalb wachen die Techniker darüber, dass die Kanäle und Wasserläufe (Flüsse) in perfektem Zustand bleiben, aber auch, dass die entsprechenden Einrichtungen (Schleusen, Flutungsventile etc) funktionieren.

Am Pointe du Médoc sieht sich die Organisation mit einer Verlandung/Verschlammung des Girondeufers konfrontiert. Jedes Jahr arbeiten sich zwei Entschlammungsboote, die der Organisation gehören, durch die Kanäle, um die Sedimente zu entfernen, ein Arbeitsgang, der in der Mitte des Kanals vorgenommen wird, um die Böschungen nicht zu verletzen und um störende Einflüsse auf die Fauna und Flora so gering wie möglich zu halten. Das Ausbaggern erfolgte nach sehr strengen Vorschriften. Der Verband Centre-Médoc hat dieses Verfahren aufgegeben und ist dazu übergegangen, das Wasser bei Flut einzuschließen, um es durch schnelle Öffnung der Ventile bei Ebbe so abzulassen, dass die Sedimente ausgeschwemmt werden können. Der Verband möchte auch gerne dem Marais sein natürliches Leben zurückgeben. „Das Wasser muss wieder seinen Platz in den Sümpfen bekommen, in den Ausdehnungszonen, die als Schutz der Wohnzonen gedacht sind“, erklärt Sébastien Simon, Flusstechniker des Verbands Centre-Médoc, seit 2000 auch des Verbandes Gargouilh und Grand Crastiou, er war damit einer der ersten im Médoc... Die Techniker müssen aber auch darüber wachen, dass keine Vereisung den Fluss des Wassers in den Wasserläufen hindert. „Und es ist natürlich wichtig, gegebenenfalls umgestürzte Bäume aus den Flüssen zu entfernen. Man kann sie leider nicht einfach durchsägen“, sagt Sébastien Simon.

Zum Schluss noch ein paar Zahlen: Der Verband bassins versants Artigue et Maqueline (Süd-Médoc) hat 32 km Deiche zu überwachen, davon 22 km am Girondeufer von Blanquefort bis Soussans. Der Deich bei Parempuyre hat 260.000 Euro gekostet...Der Verband Nord-Médoc rechnet mit Unterhaltungskosten von 300.000 Euro pro Jahr.

Mathieu Caurraze, Übersetzung: Christian Büttner/Elke Schwichtenberg
Quelle: Journal du Médoc vom 26. Oktober 2012 (gekürzt)