"Chocolatine" oder "pain au chocolat"?
O du edles, heißgeliebtes Feingebäck,
dessen Name entzweit und endlos Debatten weckt –
Soll ich dich, treu wie eine Gascognerin,
bei deinem stolzen, heiligen Namen nennen: Chocolatine?
Oder muss man sich den Gesetzen des Nordens beugen,
die dich streng „Pain au chocolat“ heißen?
Brot? Doch wo sieht man hier auch nur den kleinsten Laib?
Eine Täuschung! Ein Skandal! Ein sprachlicher Betrug!
Betrachtet nur die Sanftheit dieses okzitanischen Wortes,
das auf der Zunge schmilzt wie zarter Zucker.
„Chocolatine“ – das klingt wie Musik, fast magisch,
ein Wort wie ein Fest, ein gastronomischer Tanz!
Doch jene Pariser, mit ernster Stirn und stolzem Blick,
behaupten, man müsse ihrem strengen Licht folgen.
Der Süden empört sich und geht in Stellung,
um seinen Namen zu verteidigen wie ein kämpferischer Stier!
In jeder Bäckerei beginnt das große Duell,
die Kunden zögern, die Spannung liegt in der Luft.
„Ein Pain au chocolat“, murmelt ein Fremder …
„Eine was?!“ entrüstet sich ein empörter Toulouser.
„Chocolatine! Beim heiligen Cassoulet,
komm nicht zu uns und stifte sprachliches Unheil!“
Der andere seufzt und versucht zu erklären:
„Es ist doch nur Teig, Butter und Schokolade …“
Ach! Diese Debatte wird wohl niemals enden.
Im Westen und im Süden erhebt man stolz den Sauerteig.
Doch letztlich ist es gleich, wie man es nennt,
denn beim ersten Bissen lächelt jeder.
Was zählt der Name, solange der Genuss bleibt,
wenn das goldene Blätterteiggebäck in tausend Aromen zerfällt?
Ob man „Pain“ sagt oder „Tine“ –
das Wesentliche bleibt: feine Butter und edler Kakao!
Christian Jagord
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