
Vermutlich ist es kaum jemandem entgangen, dass hier momentan heftige Waldbrände wüten. Am Mittwoch ist bei Saumos, ca. 40 km Luftlinie südwestlich von uns entfernt, der Brand ausgebrochen und hat sich schnell ausgebreitet, da es überall total trocken ist und dazu auch noch die ganze Zeit Wind weht, der das Feuer zusätzlich anfacht. Es ist wirklich der Horror. Das Foto oben habe ich am Freitag nachmittag von unserem Balkon aus aufgenommen – der eigentlich blaue Himmel war verdeckt von einer grau-orange-gelben Qualmwolke, die Sonne darin ein roter Punkt. Das Foto gibt die tatsächlichen Farben und die gruselige Atmosphäre gar nicht wieder. Es riecht auch nach Rauch draußen, mal mehr, mal weniger.
Hier bei uns im Ort ist es momentan untersagt, sich in den Wäldern aufzuhalten, auch Grillen ist verboten, ebenso wie der Betrieb von Rasenmähern und ähnlichen Geräten, um Brände durch Funkenflug zu verhindern. Freitag abend wurde vom Bürgermeisteramt außerdem noch ein arrêté exceptionnel erlassen, eine außerordentliche Verordnung, die den Fuß- und Fahrzeugverkehr in Cissac zwischen 22 und 6 Uhr bis Sonntag verbietet. Ob so eine Maßnahme sinnvoll ist, keine Ahnung, es haben sich jedenfalls viele Leute nicht daran gehalten; wir haben abends bei geöffneter Balkontür einige Autos auf der Straße gehört.
In der Nacht wurde dann vom Département Gironde die Alarmstufe schwarz, vigilance noir, ausgerufen. Das ist das erste Mal, dass wir das hier erleben, bislang ging es noch nie über Stufe rot hinaus. Stufe schwarz beinhaltet département-weit das Verbot, Waldgebiete zu betreten, sowie die Verbote, die hier im Ort bereits gelten. Ich habe Hilfegesuche aus den betroffenen Gebieten gelesen, in denen Unterbringungsmöglichkeiten für Pferde gesucht werden. Hunde kann man ja im Evakuationsfall relativ problemlos mitnehmen, aber mit Pferden, und auch Katzen, Hühnern, Gänsen, Schafen, Ziegen etc. funktioniert das halt nicht so. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele davon in den Flammen umkommen, ebenso wie all die Tiere, die im Wald leben. Das Tierheim in Bordeaux wurde Samstag evakuiert, 180 Katzen und 180 Hunde sind dank einer landesweiten Mobilisierung in Pflegestellen untergekommen.

In der Nacht zu Samstag hat es gewittert, aber leider kaum geregnet. Das Feuer ist, nachdem der Wind gedreht hat, Richtung Osten gezogen. Daraufhin wurden nachts auch Vororte von Bordeaux vorsorglich komplett evakuiert, darunter auch Saint-Médard-en-Jalles, wohin wir früher jeden Samstag zur Hundeschule gefahren sind, sowie Teile von Mérignac. Momentan rät die Präfektur unseres Départements davon ab, Urlaubsreisen in das betroffene Gebiet zu starten. Wer solche Hinweise braucht, dem ist vermutlich sowieso nicht zu helfen. Samstag morgen hat es zwischendurch immer wieder gedonnert, die Farbe des Himmels war eine Mischung aus grauen Gewitterwolken und Rauchwolken.
Es hat sich auch abgekühlt, so dass es eigentlich eine gute Gelegenheit gewesen wäre, alle Fenster weit zu öffnen und die kühle Luft reinzulassen. Uneigentlich ist es aber so, dass Elly bei dem Donner panisch einen Weg nach draußen sucht, denn sie scheint zu glauben, dass es da nicht donnert, und sie würde dafür auch einen Sprung aus dem Fenster riskieren. Es wäre ja nicht das erste Mal. Geregnet hat es auch, leider nur sehr wenig. Nach dem Regen roch es extrem nach Rauch, und der Qualm sah aus wie dünner Nebel.
Heute, also Sonntag, ist das Feuer noch nicht unter Kontrolle und frisst sich seinen Weg weiter Richtung Bordeaux. Der Wind hat wieder aufgefrischt, was nicht hilfreich ist zur Feuerbekämpfung. 220.000 Menschen aus 23 Gemeinden wurden bislang evakuiert, 42.000 Hektar Gelände sind verbrannt, und von 240 Häusern weiß man bereits, dass sie verbrannt sind. Bei den Bränden ist gestern ein Wetterphänomen aufgetaucht, das es in Frankreich bislang noch nicht gab, nämlich ein Pyrocumulonimbus. Das sind laut Wikipedia „hoch reichende Gewitterwolken, die durch große Brände entstehen. Sie können Rauch in die untere Stratosphäre transportieren, der sich von dort monatelang weltweit verbreitet. … [Sie] werden auch als ‚Feuer, das man nicht bekämpfen kann‘ oder als ‚Feuer, die ihr eigenes Wetter machen‘ bezeichnet. Von der NASA werden sie als die ‚feuerspuckenden Drachen unter den Wolken‘ (engl. ‚fire-breathing dragon of clouds‘) bezeichnet.“ In einem Live-Ticker, den wir verfolgen, stand heute nachmittag Bordeaux suffoque, Bordeaux erstickt. Die Stadt hat inzwischen extrem unter dem Qualm und der Luftverschmutzung zu leiden, es wird dazu geraten, Fenster geschlossen zu halten und draußen Masken zu tragen.