Wir fahren an der heruntergelassenen Markise des „Resto des Chasseurs“ vorbei. Ein Stück weiter ist das „Rendez-vous des Chasseurs“ geöffnet – hier muss es sein! Zwei Männer begrüßen uns freundlich auf der Treppe, während uns der Wirt mit einem breiten Lächeln empfängt. Zwei Frauen sitzen bereits etwas unsicher mitten im Raum und fragen sich, ob noch jemand kommen wird. Kurz darauf sind wir zu sechst: sechs Unbekannte, die sich auf ein Glas treffen – eine durchaus ungewöhnliche und nicht ganz risikolose Situation.
Doch das Gespräch kommt ganz von selbst in Gang. „Mädels, wir sollten etwas bestellen, das gehört doch dazu!“ Also Rosé und ein Glas Weißwein – danke, Patron! Die Zeit vergeht, und unsere Reise führt im Gespräch über Irland, Paris, Deutschland, Marokko, Abu Dhabi, Israel und Brasilien, bis wir schließlich im Médoc vor Anker gehen.
Die Männer spielen Billard und werfen hin und wieder einen Blick auf die Frauen, die sich offenbar bestens amüsieren. Wir sprechen über die langen Winter, Paris, das Meer, Enkelkinder und neu entstandene Familienbindungen. Der Wunsch nach Ferne, Nähe und Unabhängigkeit hält diese Frauen in Bewegung.
Der Abend geht weiter, und zwischen Frauen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft entstehen Verbindungen. Es geht von Irland nach Brasilien und bis in den Regenwald bei Manaus – viele Lebenswege kreuzen sich an diesem Tisch.
Dies war nur ein kurzer und sehr gesitteter Ausschnitt aus dem Mädels-Apéro vom 28. Mai in Saint-Vivien. Um 20.45 Uhr gingen wir glücklich auseinander und freuten uns bereits auf das nächste Treffen am 25. Juni in der Hütte am Hafen von Saint-Vivien. Künftige Abende könnten jeweils unter einem Thema stehen – mit einer kleinen Aufführung, einem Gespräch, einem Film oder einem eingeladenen Gast. Herzlichen Dank an den Wirt, der uns die Getränke spendierte, und Entschuldigung an die beiden Frauen, die wegen einer falschen Adresse den Treffpunkt nicht fanden.