Eine Woche nach der Médocaine 2010, diesem fröhlichen, sportlichen und ausgelassenen Ereignis, kommt Claude Berniard, Präsident des Vereins Vélo toutes vignes, gerade erst wieder zu sich. Schließlich hat sein Verein diesen Ansturm nicht motorisierter Zweiräder ausgelöst, gesteuert von selbst ernannten Spaßvögeln – man denke nur an die „Bruderschaft der nicht ausgepressten Zitronen“ –, die durch Rebzeilen und über Schlossrasen fahren. Dort hört man sonst eher das gedämpfte Schnurren vornehmer Autos als quietschende Fahrradbremsen, wenn sich die Fahrer den Verpflegungsständen nähern.
Wie wird wohl der Jahrgang 2008 in den Kellern reifen, deren unerwartete Akustik einige Schlaumeier für improvisierte Chöre nutzten? Was soll man von der Menge halten, die sich vor den Ständen drängt, Biguine tanzt und das Passglas in der Hand hält, statt mit dem Kopf über dem Lenker zu treten? Wie erklärt man Teilnehmer, die um 10 Uhr zu einer ernsthaften Tour aufbrechen und erst sehr spät nach einer Siesta unter den Palmen von Pontac-Lynch zurückkehren?
Claude Berniard sorgt sich, dass der Erfolg bald dieselben Staus wie auf der Umgehungsstraße von Bordeaux zur Médocaine bringen könnte. „Wir mussten die Anmeldungen schon Anfang März bei 7.100 stoppen, und 6.900 Teilnehmer gingen an den Start. Meiner Meinung nach ist das zu viel. Bei der Nachbesprechung werde ich vorschlagen, den Umfang zu reduzieren. Es geht nicht um einen Teilnehmerrekord, sondern darum, die Betreuung ständig zu verbessern.“