Um 8.15 Uhr brechen wir mit Chris in Vertheuil auf. Vor Pauillac fährt unser Auto durch eine bunte Schar aus Clowns, Dompteusen, Akrobaten, Männern in bonbonrosa Tutus und Köpfen unter wilden Perücken. Am Bahnhof finden wir mit Glück noch einen Parkplatz. Von der heiteren Verrücktheit angesteckt, ziehen auch wir unsere Kostüme an – halb Clown, halb Seiltänzerin.
Um 9 Uhr mischen wir uns an der Uferpromenade unter 8.700 verkleidete Marathonläufer. Trotz der langen Wartezeit und des kühlen Nordwinds liegt eine überraschende Ruhe über der Menge. Um 9.20 Uhr beginnt das Schauspiel: Menschen-Marionetten schweben über unseren Köpfen. Zehn Minuten später fällt der Startschuss.
Schon nach zwei Kilometern wartet die erste Verpflegungsstation. In Beychevelle durchqueren wir das erste von insgesamt 55 Weingütern. Enge Passagen zwingen uns zum Gehen, Feldwege wechseln sich mit Schlosshöfen ab. Später verstehe ich auch die salzigen Chips und Kekse, doch während einer Pause verliere ich Chris aus den Augen und muss hart beschleunigen, um sie wieder einzuholen.
Gegen 13.15 Uhr erreichen wir Château Lafite, kurz darauf Cos d’Estournel. Chris’ Schwägerin Sophie begleitet uns mit ihren Profi-Ratschlägen bis ins Ziel. Hinter Montrose schmerzen Muskeln und Knie, und die letzten drei Kilometer scheinen endlos. Nach einer Gehstrecke zwingen wir unsere Beine am Stand „Finir en beauté“ mit Eis und Süßigkeiten noch einmal zum Laufen.
Schließlich betreten wir den roten Teppich und überqueren nach 6 Stunden, 13 Minuten und 14 Sekunden die Ziellinie. Stolz haben wir unseren ersten Marathon beendet und jeden Moment bewusst erlebt. Im nächsten Jahr wollen wir auch die Zeit im Blick behalten. Wiedersehen 2010.