Woran denkt er während der langen Stunden beim Angeln? „Ich schaue auf den Schwimmer“, antwortet der 14-jährige Dimitri knapp. Er sitzt an einem Wasserarm im Park Majolan in Blanquefort, wo Rotaugen, Brassen und Hechte gefangen werden – manchmal landen sogar Süßwasserkrabben oder Krebse im Kescher. Außerdem hält ihn dieses Hobby davon ab, zu viel an der Spielkonsole zu sitzen. Von Blanquefort bis zur Pointe de Grave sei das Médoc ein Paradies für Angler, sagt Jacky Rousseau aus Vichy am Montaut-Kanal in Carcans-Maubuisson.
Der gebürtige Médocain und frühere Angehörige der französischen Angel-Nationalmannschaft weiß, wie berühmt besonders die Seen des Médoc für das Freizeitangeln sind. Jedes Jahr kommen Tausende an die Seen und Flüsse der Halbinsel. Das Angeln ist auch touristisch bedeutsam: Der Verein Sandre hourtinais verkaufte 2010 zusätzlich zu 650 Stammanglern 1.150 Karten an Urlauber. „Manchmal stehen wir um vier Uhr morgens auf, um einen ganzen Tag zu angeln. Dabei vergisst man alles und findet Ruhe inmitten der Natur“, erzählen André Fiengo und Charles Ronsceim aus Hourtin.
Neben Würmern verwenden viele Angler Lockfutter, dessen „Zauberformel“ jeder für sich behält. Die Dosierung muss stimmen: Wird der Fisch zu satt, beißt er nicht mehr. Für Jacky Rousseau ist Angeln ein Kampf, bei dem nichts entschieden ist und auch der Fisch gewinnen kann. Der Angler muss verlieren können – was nicht immer leichtfällt. „Wenn nichts beißt, ist immer irgendetwas oder irgendjemand schuld. Wenn der Fang gut ist, liegt es natürlich an uns“, scherzt André Fiengo.