Unser Leben im Médoc

 

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Und täglich grüßt nicht das Murmeltier, sondern ein Reh, das sich genüsslich alle Rosen- und Lilienknospen einverleibt und damit klar macht, dass wir im EURONAT im Wald leben, wo nur Pinien, Ginster und Heidekraut unbehelligt wachsen. Unsere mühsamen Kultivierungsversuche sind zum Scheitern verurteilt. Einzig die Mimose scheint sich sehr wohl zu fühlen, denn trotz Sandboden, Seewind und sommerlicher Hitzeperioden erobert sie spielend große Flächen. Sie wuchert uns zu und wird damit lästig, und so muss man sie ständig in die Schranken weisen.

Wir leben im Wald und genießen es. Sobald das Wetter es zulässt, was häufig der Fall ist, halten wir uns im Freien auf, werkeln im Haus und ums Haus, machen Pläne, lesen, kommunizieren mit unseren Kindern, lieben Nachbarn und Freunden, kochen, essen, schlafen ohne Zeitvorgaben und springen zwischendurch nackt ins Meer.

Der Weg dorthin führt durch Ginstergestrüpp und Pinienwald über einen kleinen Hügel, vorbei an der Tanzfläche der unentwegten Nackttänzer, die sich dort nach den ewig gleichen Musikstücken im Takt wiegen. Morgens besetzen wir gerne die Fläche mit unseren Yogamatten und dehnen unsere müden Körper. Es riecht nach Harz und Hitze und dem untrüglichen Geruch erwärmter feuchter Erde. Über uns schweben bauchige weiße Schäfchenwolken im blauen Himmel. Dieses Zusammenspiel löst in uns ein köstliches Wohlempfinden aus. Wir leben gerne hier. Am liebsten würden wir laut Juchuh schreien vor Lebensfreude.

Dieses Fleckchen Erde erinnert an Kindheit und Ferien an deutscher Nordseeküste, die gleiche Dünenlandschaft, der hohe, weite Himmel über den Marschen, die blühenden Schlehenhecken im Frühjahr, der Wind und das kalte, wilde Meer. Den Unterschied macht das Klima. Hier ist es wärmer, es regnet weniger, man kann sich länger draußen aufhalten. In unserem Sommerhaus am Meer leben wir im Médoc wie Urlauber, die kein Morgen kennen.

Maria Moeller-Herrmann (Grayan)