Oradour-sur-Glane

Eine etwas andere Zwischenstation auf dem Weg zum Atlantik

 

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Auf unserem Weg in unser Ferienparadies am Atlantik sind wir dieses Mal über die Schweiz und weiter über Limoges ins Medoc gefahren.

In den unwegsamen Bergen der Auvergne war die Resistance während der deutschen Besatzung sehr aktiv und hatte ihre Rückzugsorte und ihre Verstecke. Mehrere erfolgreiche Aktivitäten führten dann allerdings zu Strafaktionen der deutschen Armee gegenüber der französischen Bevölkerung. In diesem Zusammenhang wurde ein Dorf, Oradour, komplett vernichtet – alle Gebäude wurden zerstört, nahezu alle Einwohner wurden ermordet, es gab nur sechs Überlebende. Alle Frauen und Kinder und Alte wurden in die Kirche getrieben und diese dann angezündet. Zuvor waren die Eingeschlossenen von den Fenstern und Türen aus beschossen und mit Handgranaten beworfen worden. Die Männer wurden getrennt erschossen. Anschließend wurden die Leichenberge ohne Rücksicht auf verletzte Überlebende mit Stroh angezündet. Dann wurde das restliche Dorf niedergebrannt. Bei diesem Vergeltungsschlag handelte es sich mit 642 Opfern um das zahlenmäßig größte Massaker in Westeuropa.

Oradour wurde nicht wieder aufgebaut. Die Ruinen blieben als Mahnmal stehen. Heute gibt es dort ein Museum mit einer eindrucksvollen Dokumentation der Vorgänge sowie auch deren Vorgeschichte und Folgen. Und die Ruinen stehen wie eine Geisterstadt daneben.

Auch wenn wir uns zu Beginn unserer Reise auf Urlaub, Schönes erleben, Entspannen, kein Stress.... eingestellt hatten, waren wir im Nachhinein doch sehr froh, uns diesen Eindrücken ausgesetzt zu haben. Allein die Tatsache, dass auf dem sehr großen Parkplatz kein einziges deutsches Auto außer unserem zu sehen war, machte uns deutlich, dass man sich als Deutscher wohl auch heute noch ungern dieser Vergangenheit stellen möchte. Für uns löste die Stille und Sprachlosigkeit, die über diesem Ort liegen, ein Entsetzen und eine Trauer aus, die weit über jedes intellektuelle Verständnis reicht.

Das Verrinnen der Zeit und die damit einhergehende Veränderung durch das ungehinderte Wachstum der Natur, wie Efeu oder wilder Wein, die die Mauern überwuchern, die Blumen, die zwischen den Trümmern, den verrosteten Gerippen der Fahrräder und Nähmaschinen wachsen – all das wirkt fast pittoresk, lässt aber auch Trost und eine Hoffnung auf Heilung aufkommen.

Es hat uns gut getan, diesen Menschen und diesem Ort die Ehre zu erweisen. Es gibt eine Vielzahl von solchen Gedenkorten in Frankreich. Sie stehen für Gräueltaten der deutschen Armee während der Besatzung. Auf fast jeder Route durch Frankreich kann man in ähnlicher Weise der Opfer gedenken.

Antonia Armbruster und Georg Killing, Grayan