Das Herz der Deutschen

 

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Es sind deutsche Frauen und sie leben im Médoc. Ein paar Stunden vor dem Spiel der Fußballweltmeisterschaft 2014 Frankreich-Deutschland sprechen sie über ihre Positionen.

Zwei Fähnchen schwarz-rot-gold flattern an den Türen eines 4x4 am Markt in Saint-Vivien. Ein paar Meter davon entfernt macht Gyde Thomson ihre Einkäufe. Seit einigen Monaten arbeitet sie, eine Deutsche, 22 Jahre alt, hier in einem Gestüt. „Ich werde mir das Spiel mit meinen französischen Freunden zusammen anschauen“, erklärt sie mit einem Zwinkern ihrer blauen Augen. „Wir werden mehr als zehn Leute sein, aber ich bin dann die einzige, die die deutsche Mannschaft unterstützt.“ Ihre Mutter hat geahnt, was auf ihre Tochter zukommen wird und sie hat ihr eine deutsche Fahne und zwei Ohrclips in den Farben der deutschen Mannschaft geschickt. „Mit den Franzosen frotzeln wir uns, so etwa: Versorge dich mit Taschentüchern, du wirst sie brauchen!“ Ihre Ansage: 2 zu 1, für Deutschland natürlich!“

Barbara Schmitz, die wir in ihrem Garten antreffen, tippt auf das gleiche Torergebnis, allerdings zugunsten der französischen Fußballer. Die Sechzigjährige aus Düsseldorf kommt mit ihrem Mann Helmut seit 40 Jahren nach Frankreich. Ihr Auto hat ein französisches Kennzeichen und sie kommen auch im Winter, „wegen der Steinpilze.“ Sie nennt eindeutige Details für ihre Vorhersage: „Ich finde, dass Frankreich besser spielt als Deutschland. Sie haben mich mit dem letzten Spiel gegen Algerien enttäuscht“, fügt sie hinzu. Der elfte Deutsche, Manuel Neuer, hat verhindert, dass man sich eine Verlängerung einhandeln musste. Für sie ist es keine Frage, Flagge zu zeigen. „Nach dem ersten Spiel ihrer Mannschaft haben unsere Nachbarn eine deutsche Fahne an unserem Gartentor angebracht. Das war aber nur zum Spaß und wir haben sie schnell wieder entfernt.“

Vor der Begegnung heute Abend zögern einige noch mit ihrer Vorhersage: Die Deutsch-Französin Erika Laviolette, die in Queyrac aufgewachsen ist, sagt: „Grundsätzlich bin ich für Deutschland. In solchen Augenblicken fühle ich mich mehr als Deutsche denn als Französin. Aber seit dem Spiel Frankreich-Schweiz unterstütze ich auch die Franzosen.“ Sie, die im Euronat arbeitet, kehrt von Zeit zu Zeit zu den Wurzeln ihrer Mutter in der Nähe von Köln zurück. „Was auch immer geschieht, meine Mannschaft wird gewinnen“, scherzt sie. Doch plötzlich stoppt sie... „Mein Herz schlägt trotzdem für Deutschland.“

Thibault Seurin (Lesparre), Übersetzung: Christian Büttner/Elke Schwichtenberg


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