Ausflug nach Talmont sur Gironde

 

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Von Royan 15 km girondeaufwärts liegt Talmont-sur-Gironde, ein kleiner Ort mit einer beeindruckenden romanischen Kirche in kaum noch zu übertreffender Lage. Besonders im Sommer sind die kaum 100 Einwohner in einer hoffnungslosen Minderheitssituation gegenüber den heranströmenden Touristen. Wohltuend: der Ort ist autofrei. Man parkt auf einem Gelände ein paar hundert Meter entfernt und genießt bei dem Weg in den Ortskern dessen Atmosphäre.

Die Besiedlung des Ortes geht weit zurück in die Römerzeit. 1284 wurde der Ortskern auf Geheiß des Königs Eduard I befestigt. Kenner der französischen Geschichte dürfen die Stirn runzeln, aber nur kurz. Dieser Eduard war König von England, und dies nachdem Aquitanien 1154 als Mitgift der heiratslustigen Eleonore von Aquitanien an die englische Krone geraten war. Reste der mittelalterlichen Befestigungsmauern lassen sich beim Rundgang an mehreren Stellen sehen.

Hauptattraktion ist zweifellos die Kirche Sainte Radegonde, die den Namen der thüringischen Prinzessin Radegundis (geb. um 520, gestorben 587 in Poitiers) trägt, die gegen ihren Willen mit dem fränkischen König Chlotar I. von Neustrien verheiratet wurde. Die Kirche, die in zwei Bauabschnitten errichtet wurde, gibt noch immer ein eindrucksvolles Bild der Hochromanik der Saintonge ab. In der ersten Bauphase wurden der Chor, das Querhaus und die Querhauskapellen errichtet. Später wurden dann das Kirchenschiff, das heute nur noch in Teilen erhalten ist, und die einst reich gestaltete Westfassade hinzugefügt.

Als im Mittelalter die Wallfahrt nach Santiago de Compostella mehr und mehr Gläubige anzog, nahm auch Talmont, das an einem Zweig von einem der Hauptpilgerwege lag, einen erkennbaren Aufschwung. Diese gute Zeit hielt nicht lange an, denn während des Hundertjährigen Krieges, der erst 1453 mit der Niederlage der Engländer und der nunmehr dauerhaften Errichtung der französischen Herrschaft über den Südwesten Frankreichs ein Ende fand, wurde Talmont mehrfach belagert und eingenommen, mit schlimmen Folgen für den Ort und seine Bewohner, versteht sich. Im 14. jahrhundert zerstörte zudem ein verheerendes Girondehochwasser einen großen Teil des Kirchenschiffs und die Westfassade. Der Wiederaufbau musste mit beschränkten Mitteln durchgeführt werden. Er stellte die Funktionsfähigkeit der Kirche wieder her, verkleinerte aber das Hauptschiff und verzichtete auf die Ausschmückung der einst reich gestalteten Westfassade.

Ulrich Marwedel (Grayan)


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