Die Tour de France - eine persönliche Perspektive

 

Tour de France
Alberto Contador

Nachdem wir seit Jahren die Tour de France verfolgen, ergab sich endlich die Gelegenheit, das Rennen persönlich zu erleben, das Zeitfahren am 24. Juni im Médoc. Wir dürfen uns zu der Einwohnerschaft von Saint Vivien zählen und verbringen dort soviel Zeit wie möglich, müssen aber immer wieder wegen unserer Arbeitsverpflichtungen nach England zurück. Diese Chance, einen Tag ohne Hausrenovierungen zu verbringen, wollten wir nicht verpassen.

Mit einem Freund aus Bordeaux trafen wir uns in Avensan zu einem herrlichen Picknick an der Strasse von Castelnau, ein Picknickplatz, den wir wärmstens empfehlen können. Dann bewegten wir uns in Richtung Margaux, wo wir die Tour de France vorbeifahren sehen wollten.

Man hatte uns vorausgesagt, das es in Pauillac am Ende der Rennstrecke sehr voll werden würde, so dass wir uns für den Standort Margaux entschieden. Dort konnten auf einer Zuschauertribüne die Fahrer unmittelbar an uns vorbeifahren sehen. Wir waren natürlich nicht die ersten, die diesen Ort gewählt hatten, andere hatten sich bereits entlang der Straße postiert. Kleine Zelte und Camping Cars hatten Wurzeln geschlagen und bildeten eine farbenfrohe Kulisse zu einem schon an sich sehr farbigen Event. Neben französischen Flaggen waren von unserem Standpunkt aus italienische, spanische, englische und irische Fahnen zu sehen.

Da wir uns eine Straßenbiegung ausgesucht hatten, konnten wir beobachten, wie die Fahrer auf uns zu strampelten. Jeder Fahrer wurde von einem Konvoi begleitet (Polizei- und Hilfsfahrzeuge), so dass ein reger Verkehr auf der Strecke herrschte. Bei einer Abfolge im 3-Minuten-Takt gab es kaum Pausen zwischen den Fahrern. Einmal kamen sogar zwei Fahrer nahezu gleichzeitig auf uns zu und verursachten eine mittlere Konfusion. Die Zuschauer quittierten mit Applaus die Anstrengungen jedes Fahrers, der an diesem sehr warmen, aber windigen Tag die 52 km lange Strecke bewältigte, der erste um 10:25 und der letzte um 17:05.

Es war ein ganz besonderes Vergnügen, statt einer an einem vorbeirasenden Masse jeden Fahrer einzeln beobachten zu können. Wir waren begeistert, Lance Armstrong in seinem letzten von unzähligen Rennen zu sehen. Andy Schleck (oder "Sheak", wie ihn unsere Tochter in Anlehnung an den Film Shrek nannte) als vermutlich Zweiter und Alberto Cantador als möglicher Gewinner begeisterten uns ebenfalls. Alle Fahrer meisterten das Zeitrennen mit enormem Kraftaufwand und Entschlusskraft und das nach drei harten Wochen mit heftigen Bergrennen.

Die Top-Fahrer waren gut auszumachen, weil ihnen Hubschrauber folgten, die die Fernsehaufnahmen machten. In England ist die Tour de France ein sportliches highlight mit täglichen Fernsehberichten. Viele Engländer fahren hinter der Tour her, um so die verschiedenen Regionen Frankreichs kennen zu lernen oder ihre Lieblingsregion zu besuchen. Auch diese Tour wird sicherlich viele animieren, ebenfalls anzureisen und die Vergnügungen der jeweiligen Regionen kennen zu lernen. Wir jedenfalls waren so beeindruckt, dass wir beim nächsten Mal eine Bergetappe ansehen wollen. Es war eine Erfahrung, an die wir uns bestimmt noch viele Jahre erinnern werden.

Gail, Mike and Lydia Bowering-Sheehan, Übersetzung: Christian Büttner/Elke Schwichtenberg