Erinnern Sie sich? Der Seehund You war aus den eisigen Meeren des Nordens an unsere sonnige Küste gekommen, um im Sommer im warmen Wasser unseres Ozeans zu baden, mit den Menschen im Wasser herumzutollen und auf dem weichen goldenen Sand unserer Strände kleine Nickerchen zu halten.

Er war noch jung, liebte Abenteuer und hatte die Menschen ins Herz geschlossen. In seinem jugendlichen Überschwang hatte er jedoch einige von ihnen unabsichtlich gebissen. Deshalb sorgte man dafür, dass er in seine Heimatgewässer zurückgebracht wurde. Aber You mochte uns und sehnte sich nach dem grünen und blauen Wasser unseres Ozeans.
So kam er zurück, musste erneut abreisen – und dann sahen wir ihn nie wieder. Hat er uns vergessen? Bei seinem zweiten Besuch war You erwachsen geworden; inzwischen dürfte er Großvater sein. Ich stelle ihn mir an einem Felsen vor, wie er seinem Enkel von den Abenteuern seiner Jugend erzählt. Vielleicht berichtet er ihm von den Menschen im Südwesten, mit denen er so gerne im Wasser spielte? Vielleicht vom Septemberlicht, das unsere Küsten silbern funkeln ließ, und vom weichen Sand?

Vermutlich entzündete er damit in den Augen des jungen Seehundes, der ihm zuhörte, jenen kleinen Funken, der Abenteuerlust verrät. Kühn machte dieser sich ebenfalls auf den langen Weg nach Süden, der ihn zu uns führte. Denn ja, Yous Enkel ist hier. Spaziergänger fanden ihn verletzt am Strand von Lacanau im Sand liegend. Er versuchte, auf sie zuzukommen, als wollte er um Hilfe bitten.

Noch ein Seehundbaby, hatte er schlechte Begegnungen gehabt: Auf seinem Rücken trug er Bissspuren, gegen die er sich nicht hatte wehren können. Man brachte ihn in eine Klinik für Meerestiere. Dort wird er gut versorgt; anschließend bringt man ihn zurück nach Hause, weit hinauf in die grauen Gewässer des Nordens. Und wer weiß? Vielleicht kommt er eines Tages zurück, so wie es schon sein Großvater getan hatte?