Weinhandel und Musikschule

 

carte
cave école de musique
marché nocturne banda pays Médoc

Ludovic und Catherine sind aus der Normandie in das Médoc gewechselt, um dort ein neues Leben zu beginnen: mit einem kleinen Weinhandel und musikalischem Neuanfang. Ludovic war 43 Jahre alt, als er in eine existenzielle Krise geriet. In Le Havre hatte er Hygieneprodukte und Desinfektionsmittel verkauft – mit beträchtlichen kommerziellen Aussichten, erfolgversprechend, mit sehr guter Bezahlung und der Möglichkeit, später einmal die Firma zu leiten. Mit seiner Frau Catherine, der Leiterin einer kleinen Musikschule im Randbezirk von Rouen hat er dann doch sein Leben im Médoc neu gestaltet. Eine Heiratsanzeige hat die beiden im Juli 2005 nach Grayan et l’Hôpital geführt, in die für sie vollkommen unbekannte Region. Sie kamen bezeichnenderweise auf der Route der Zugvögel an, auf der Straße von der Fähre im Hafen von Le Verdon nach Soulac Sie erspürten die Gegend, erforschten sie, kamen an Wochenenden und beschlossen schließlich, ihren Lebensmittelpunkt geografisch zu verlegen.

In nur zwei Tagen finden sie ein Haus in Saint-Vivien, zu weit erschwinglicherem Preis als eines mit Blick auf das Cap Ferret. Zwei Aktivitäten beschäftigen Lulud: die Erkundung der Châteaux, das lokale „Erdölvorkommen“. Als Zweites eine vom Arbeitsamt geförderte Weiterbildung, für die er „Weine und Spirituosen“ am Institut für kommerzielle Förderung der Handelskammer wählt. Das Diplom eröffnet ihm auf einen neuen Planeten. Er will alles über die Weinkultur wissen. 2011 beginnt er seinen Weinhandel (Cave de Lulud) als Hobby-Unternehmen, man kann bei ihm auch am Wochenende und in den Ferien einkaufen. Ein Verkaufsraum von 20 qm – eine ehemalige chemische Reinigung – wird zu dem richtigen „Cave de Lulud“, in dem er nach Erlangung einer Lizenz einen Wein- und Bierausschank betreibt.

Das Paar tritt der Band „La banda Pays Médoc“ bei, sie bringt ihr Saxophon mit, er sein Waschbrett. Durch die musikalischen Aktivitäten lernt man Freunde kennen. Catherine gibt Musikkurse in Hourtin und gründet die Musikschule Si Fa Si’L in Saint-Vivien. Außerdem engagiert sie sich noch im Orchester des Nord-Médoc und im Philou Orchester. Jeden Dienstag abend vor der Probe mit La Banda probiert das Paar eines der neuen Biere. Sie stammen aus Belgien und der Whisky aus Japan. Seit fast zehn Jahren haben die Tihis keinen Urlaub mehr gemacht. Im letzten Jahr haben sie ein Gästezimmer in Bordeaux gemietet, um die Altstadt zu entdecken. Ende Juni 2015 haben sie anlässlich des Musikfestes („fete de la musique“) auf den Stufen des Grand-Theatre musiziert. Gemeinsam mit einem Freund haben sie in Partnerschaft mit einheimischen Geschäftsleuten den sonntäglichen Nachtmarkt in Saint-Vivien und den am Freitag stattfindenden Nachtmarkt in Grayan initiiert (im Juli und August).

Lulud organisiert auch Weinproben bei Kunden zuhause und hält seinen Laden häufig außerhalb der üblichen Öffnungszeiten offen. Er sagt: „Es ist vielleicht ein wenig leichtfertig, sein Leben radikal zu verändern. Aber Geld interessiert mich jetzt weniger und ich bin nicht mehr der Mensch, der ich einmal war. Ich lege mich nicht krumm. Wenn ich früh aufwache, öffne ich meinen Laden eben um 7 Uhr. Ich habe keine Uhr mehr, keinen Anzug. Ich arbeite zum Vergnügen.“

Christian Seguin (Bordeaux), Übersetzung: Christian Büttner/Elke Schwichtenberg

Auszüge aus einem Artkel des Sud Ouest